Das Unsichtbare sichtbar machen. Expressionismus im Museum Ludwig

Aktuell steht im Fach Deutsch der Expressionismus als Zentralabiturthema an und ein Schwerpunkt bildet dabei die Auseinandersetzung mit expressionistischer Lyrik. Neben Schriftsteller*innen schufen auch Musiker*innen und Künstler*innen expressionistische Werke. Die Sammlung des Museum Ludwig umfasst zentrale expressionistische Werke unter anderen von Ernst Ludwig Kirchner, Max Beckmann, Emil Nolde,  Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff, August Macke, Alexej von Jawlensky, Paula Modersohn-Becker und Otto Mueller. In einer Fortbildung für Lehrer*innen luden Björn Föll von der Museumsschule und Angelika von Tomaszewski vom Museumsdienst Köln dazu ein, sich intensiv mit dieser Epoche zu beschäftigen.


Grafikdepot-Verwalter Alfred Glasner zeigt seine Schätze, Foto: Museumsdienst Köln

Die Verfechter*innen des Expressionismus (abgeleitet von „expressio“ – lateinisch für „der Ausdruck“) entwickelten eine Kunst, die alle gültigen akademischen Regeln über Bord warf. Anstelle akribischer Naturstudien traten Bilder, auf denen die Künstler*innen die Welt nicht mehr so abbildeten, wie sie sie sahen, sondern so, wie sie sie fühlten. Dabei verwendeten sie häufig kräftige Farben, die sich durch Komplementärkontraste gegenseitig zum Leuchten bringen und setzten oft harte Konturlinien.

Einleitung zum Expressionismus, Foto: Museumsdienst Köln

Zu Beginn der Fortbildung nutzte die Gruppe die Möglichkeit, sich expressionistische Arbeiten aus dem Grafikdepot vorlegen zu lassen. Alfred Glasner von der Depot-Verwaltung zeigte unter anderen beeindruckende Blätter von Erich Heckel, Emil Nolde, Ludwig Meidner und August Macke. Hierbei begeisterten sich die Gruppenteilnehmer*innen besonders für die unmittelbare Begegnung mit der Kunst, sie genossen es die faszinierenden Meisterblätter aus dem Depot „hautnah“ – also ohne Glas und aus nächster Nähe erleben zu können.

Eigene Eindrücke werden verschriftlicht, Foto: Museumsdienst Köln

Danach ging es ins zweite Obergeschoss zur expressionistischen Abteilung, die der Sammler Josef Haubrich der Stadt Köln nach dem zweiten Weltkrieg schenkte. Nach einer kurzen Einleitung zu den historischen Rahmenbedingungen der ausgestellten Werke wurden verschiedene Methoden vorgestellt um sich den Werken anzunähern. Schlagwörter konnten zu einem ausgewählten Bild diskutiert und angeordnet werden, Rollenbiografien wurden zu Figuren entwickelt und Wörterpuzzle zu neuen Gedichten gelegt. Weitere kreative Schreibübungen reicherten die Bilderfahrungen der Gruppe an. Dabei wurde angeregt in den Kleingruppen diskutiert. Durch die zum Teil unterschiedliche Wahrnehmung der Werke wurde deutlich, wie sehr man selbst die Wirkung eines Bildes durch eigene Erfahrungen, Tagesform und Ansichten unbewusst mitgestaltet. Bei der abschließenden Vorstellung der Ergebnisse traten Mehrdeutigkeiten und Ähnlichkeiten bei den verschiedenen Eindrücken unverkennbar hervor.

Museums-Graffiti im Einsatz, Foto: Museumsdienst Köln

Fazit: Sich mit Sprache Kunst anzunähern ist spannend. Denn wie fasst man einen sinnlichen visuellen Eindruck in Worte? Welche eignen sich dafür? Und wie anders wirkt das Geschriebene auf einmal, wenn ich es einem Publikum vortrage? Auch wenn Sprache und Bild als ganz unabhängige Systeme funktionieren gibt es trotzdem Schnittstellen. Beide vermögen auf ihre Weise Stimmungen und Gefühle zu erzeugen, denen wir uns nur schwer entziehen können.

leblos oder viel besser: Leb los! Foto: Museumsdienst Köln

Tipp:

Die Chance, sich Originale aus dem Grafikdepot vorlegen zu lassen, kann jederzeit von Gruppen oder Einzelpersonen wahrgenommen werden. Bedingung dafür ist, dass man sich überlegt, welche Grafiken man gern sehen würde und dafür mindestens zwei Wochen vorher einen Termin vereinbart. Auf der website 

www.kulturelles-erbe-koeln.de 

kann man recherchieren, welche Werke sich im Bestand des Grafikdepots des Museum Ludwig befinden.

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