Fast Fashion. Die Schattenseiten der Mode

Taslima Akhter: Rana Plaza Collaps – Death of 13, 2013 (c) Taslima Akhter

Das Bild der 49. Woche ist eine Dokumentarfotografie und zwar das Foto „Rana Plaza Collapse“.  Angehörige der Arbeiterinnen und Arbeiter protestieren gegen den Einsturz von Rana Plaza  und verlangen Gerechtigkeit. Der Text zum Bild der Woche erläutert weiterhin:

Zu sehen ist das Bild momentan in der Sonderausstellung Fast Fashion. Die Schattenseiten der Mode im Rautenstrauch-Joest-Museum – Kulturen der Welt in Köln. Die Ausstellung wirft einen kritischen Blick hinter die Kulissen der globalen Textilindustrie und will dazu anregen, sich engagiert mit dem Thema Mode-Konsum und seinen sozialen und ökologischen Folgen zu beschäftigen. Der Teil der Ausstellung „Fashion & Victims“, zu dem Taslima Akhters Fotoserie zählt, möchte die Rolle zweier gegensätzlicher Seiten des Fast Fashion-Phänomens als Leidtragende begreiflich machen: die der Konsumenten in den Überflussgesellschaften und die der Produzenten in den Billiglohnländern.

Mit der nachfolgenden Schreibanregung möchte ich daher uns als Verbraucher und Verbraucherinnen zu einer Konsum kritischen Auseinandersetzung mit dem Thema „Fashion“ anregen. Ich lade Sie hiermit also herzlich dazu ein, in Bezugnahme zu der Fotografie Rana Plaza Collapse  Ihre spontanen Gedanken und Assoziationen auf ein Blatt Papier zu schreiben, geben Sie sich dafür max. 5 Minuten Zeit. Diese automatische Schreibzeit hilft Ihnen, ins Schreiben und ins Thema einzusteigen.

zum Bild der Woche > hier

Nun erhalten Sie von mir weitere Anregungen, mit denen Sie schreibend das Thema „Fast Fashion – Die Schattenseiten der Mode“ aufgreifen und sich darauf persönlich beziehen können:

  • Schreiben Sie das Wort MODE so auf ein Blatt Papier, dass die einzelnen Buchstaben untereinanderstehen (von oben nach unten). Nun beginnen Sie in jeder Zeile mit dem Buchstaben einen ganzen Satz, d.h. das erste Wort des Satzes beginnt mit dem Buchstaben auf der jeweiligen Zeile.  Das Thema Mode steht im Mittelpunkt, dabei können Sie frei assoziieren und auch einen (selbst-)kritischen Blick darauf werden. Schreiben Sie ohne lange Nachzudenken.
  •  Dann  fahren Sie fort mit dem Wort KONSUM  und gehen in gleicher Weise vor. Erneut vermeiden Sie langes Nachdenken und schreiben spontan.

Lesen Sie nun die entstandenen Texte durch, markieren Sie in jedem Text 3-5 markante Worte, Begriffe, die Sie „anzupfen“ und aus Ihrer Sicht für das Thema (: Ihr Thema) relevant sind.

Spüren Sie nun  Ihre Gedanken zu den ausgesuchten Wörtern auf. Finden Sie zu jedem markierten Wort 5 Gedankensplitter oder Adjektive und fertigen damit Ihre Stoffsammlung an aus der anschließend ein Text entsteht, der die Überschrift trägt:

Fast Fashion –  Meine (Die) Schattenseiten der Mode

Hier noch eine HILFE für den Schreibvorgang:

Stellen Sie den Timer, nun auf 15 Minuten. Schreiben Sie. Da die Zeit begrenzt ist, eignen sich Momentaufnahmen, Vignetten, Augenblicke, Blitzlichter und knappe kurze Textformen. Gedankenströme und Momentaufnahmen sind manchmal besser als lange, epische, romanhafte Ansätze.

Zu langes Nachdenken behindert das spontane Hinschreiben; folgen Sie den ersten Impulsen (Perfektion aufgeben), überlassen Sie sich dem eigenen Ausdruck!

Und noch ein Tipp: Sich zu wiederholen ist oft ein hilfreiches Mittel, immer wieder in den Schreibfluss zu kommen. Wenn der Schreibfluss stockt, dann schreiben Sie einfach auf eine anderes Blatt, was da gerade geschieht, was „jetzt“ passiert, z.B.: es stockt, kein Gedanke stellt sich ein. Meistens geht es dann doch direkt wieder weiter. Viel Erfolg wünscht Ihnen

Ihre

Susanne Kieselstein

2 Kommentare

  1. Kommentar zum Bild der Woche 49
    Rana Plaza Collapse
    Ausgestellt in der Sonderausstellung Fast Fashion.
    Die Schattenseiten der Mode

    Sabine Otten
    Meine Schattenseiten der Mode
    Ich schlüpfte in meinen neuen Pulli,den blauen mit den Silberfäden, den ich mir bei meinem letzten Spontankauf geleistet hatte. Er gefiel mir sofort, ich kaufte ihn ohne Anprobe, hielt ihn mir am Spiegel kurz vor und dachte, ja, der ist gut, der ist reduziert und passt. Ich bin froh, das ich kein magersüchtiges Modell bin mit dünnen langen Armen und Beinen. Mit meinem neuen Pulli würde kein Modell über den Laufsteg stolzieren und sich ins rechte Licht setzen. Irgendwie würde das nicht passen, aber zu mir passt er prima, denn er kaschiert die kleinen Makelstellen im Hüftbereich perfekt. Eigentlich sollte ich mich im blauen Pulli wohlfühlen, doch im Laufe des Tages kratzte er an meinen Armen, sodass ich beständig die Ärmel hochschob. Ich hatte das Gefühl, als würden kleine Ameisen auf meinen Armen einen Ausflug machen. Ich kratzte und schrubbende, aber es hörte nicht auf. Am Nachmittag schleuderte ich mutlos das neue Kleidungsstück ins Bad. Es war wie eine Befreiung. Meine Arme hatten rote Flecken. Entsetzt nahm ich den Pulli, drehte ihn auf links und suchte nach der Ursache. Ich fand lediglich ein Etikett mit 100% Poly-Schimpf-mich-was, hergestellt in Bangladesch.Wo hatte ich das blöde Teil gekauft? Ja, jetzt wüsste ich es wieder. In der Stadt gab es ein gerade neu eröffnetes Geschäft, welches ich besucht, und dort auch rumgestöbert hatte. Ich war ärgerlich über mich selbst, das ich mich so hatte täuschen lassen beim Einkauf. Hier wurden die Käufer mit Billigware, die aus schädlichen Fasern hergestellt wurde,geködert. Klar, ein Modell trägt solche Sachen nicht.Die Schöpfungen der Mode werden in bekannten Ateliers hergestellt, aber der normale Konsument wird aufs Glatteis geschickt.Gelockt mit schönen Farben, Formen und Preis.
    Gleichermaßen it meinem Ärger gingen meine Gedanken zum Foto von Taslima Akhter mit dem Titel: Death of a Thousend Dreams, auf dem die Hinterbliebenen und Arbeiter des Brandunglücks in Bangladesch demonstrieren. Mein Frust schlug in Entsetzen um. Wieviel schlimmer waren diese Menschen dran, die unter erbärmlichen Umständen in unsicheren Fabriken und Hallen gearbeitet hatten und beim Brand schwer verletzte wurden oder auch ihr Leben verloren hatten. Für einen Hungerlohn hatten sie Ware hergestellt, die bei uns hier in Europa auf den Markt gebracht wird.
    Was veranlasst uns auf diese Angebote aufzuspringen? Nichts, überhaupt nichts. Ich kaufe keine Modellkleider, sie sind sündhaft teuer, werden nur in kleinen Größen hergestellt und passen somit nicht. Ich kaufe nun auch keine Kleidung mehr aus Billigherstellungen, die nicht genau nachzuprüfen ist. Ein Blick auf das Etikett lohnt sich. Ich denke es ist auch wichtig sein eigenes Label zu finden in Farbe,Form und Material. Angebote gibt es genug. Naturprodukte sind schmeichelnd auf der Haut und ob Pulli, Hose oder Kleid, das Wohlfühlen ist garantiert. Mal eine Zeitlang so richtig gegen den Modetrend zu schwimmen macht einen für andere wieder interessant. Man muss nur ein bisschen mutig sein, denn seinen Modegeschmack kann und sollte jeder selber gestalten.
    Vielleicht können die Näherinnen in Bangladesch irgendwann mit unserer Hilfe unter akzeptablen Bedingungen arbeiten für einen angemessenen Lohn mit Materialien die unbedenklich sind. Es würde dann wieder Freude machen ein Kleidungsstück, hergestellt in der fernen Welt zu tragen.

    Gefällt 1 Person

  2. In den 60er Jahren hat eine Frau Mitte 30 das Geld nicht, um sich mehrere Kleider zu kaufen. Kleidung ist teuer, exklusiv, vom Schneider genäht.
    Und nur wenige können sich eine Nähmaschine leisten. Dann gibt es die Hose, auch für die Frau, eine Levis. Die soll lange halten und möglichst auch über viele Monate passen. Für die Jungen trennt die Frau die alten, zu eng gewordenen Cordhosen vom Mann auf. Sie näht kleine Jungenhosen daraus, mit lustigen Auto-Knöpfen, die ein mittleres Vermögen kosten. Die Jungen lieben die neuen Hosen, die nicht kratzen wie übliche Wollstoffhosen und die Jungenbeine umschmeicheln.
    Heute ist alles anders, weiß die Frau. Kleidung hat keine Seele mehr, sagt sie. Kleidung bekommt keine Zeit, auch keine Geschichte. Das Kleid, was sie zur Hochzeit der Cousine trägt, das begleitet sie über viele Jahre, sie hat es noch immer. Es hätte wirklich was zu erzählen, denkt die Frau. Von den Familienfeiern, von turbulenten Abenden im Segelverein, den frühen Rendezvous mit dem Mann. Aber alles, nein, alles sollte das Kleid nicht erzählen, sagt sie und das Kleid schweigt beredt.

    Kleidung heute, die plappert, sagt die Frau. Ein anderer Stoff. Der wird in Handarbeit gefärbt, weiß sie, in einem Land, in dem die Frau noch nie war. Weit weg von Europa. Hier in ihrem Waschbecken blutet der Stoff, ultramarin-blau, ein trauriges Rinnsal in ihrer Badewanne. Nun sind auch ihre Hände grau, die Fingernägel fast schwarz, während die Frau weiter aus der Hose das farbige Gift wringt.

    Heute kennt man Recycling und Fair Trade weiß sie, aber die meisten Jeans kennen nichts davon, weiß die Frau.

    Liken

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