So lautete das Thema des Symposiums, zu dem die Kölner Artothek am 06. Juli 2018 ins Filmforum (Museum Ludwig) eingeladen hatte. Die Vielfalt der Möglichkeiten Kultureller Bildung in und mit Artotheken konnte kennengelernt werden – mit weitem Blick; denn bundesweit waren Gäste und Teilnehmer der Einladung gefolgt. Nach der Begrüßung durch Astrid Bardenheuer, Leiterin der Artothek Köln, folgte als Auftakt der beeindruckende Vortrag von Renate Willmes.

Die erfahrene Pädagogin Renate Willmes, die ursprünglich an der FH Niederrhein Keramik-Design studiert hat, arbeitet bereits seit vielen Jahren mit einem kunstpädagogischen Schwerpunkt im Kinderladen Papperlapapp (e.V.). Dazu aus dem Tagungsprogramm:

 Die drei bis sechsjährigen Kinder des Kinderladens Papperlapapp in Köln leihen seit vier Jahren regelmäßig Kunst der Artothek Köln. Immer wieder erleben sie dabei: Das auf dem Bild hat etwas mit mir zu tun. Sie entdecken im Kunstwerk einen – manchmal ungeahnten – Impuls, aus dem sich ein Projekt entwickelt, dessen Verlauf nicht vorhersehbar ist. Das macht Spaß, ist spannend und bereichernd.

Renate Willmes gibt seit 2015 an Erzieher und Erzieherinnen ihr Wissen weiter und vermittelt, wie mit Bildern der Kölner Artothek vielfältig gearbeitet und wie lustvoll Kindern der Elementarstufe der Zugang zur Kunst eröffnet werden kann.

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Bildcollagen+Zeichnungen

Kreativ begleiten

Das Besondere an der Arbeitsweise von Renate Willmes ist zweifellos dieser ausgesprochen offene Gestaltungsprozess, in dem die Kinder ihren eigenen Impulsen frei und eigenständig folgen können. Sie werden bewusst „nur“ kreativ begleitet, was bedeutet, dass den Ausdrucksimpulsen der Kinder Angebote und Gelegenheiten an die Seite gestellt werden, die Wege und Formen können dann gewählt werden, je nach Neigung und sinnlichem Bezug.

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So kann neben diesen künstlerisch-gestaltenden Formen sich dem Bild auch stimmlich, akustisch angenähert werden, auch dazu gibt es Anreize und Gelegenheiten (Bilder werden vertont durch Fingerschnipsen, Zungenschnalzen, Ploppen (Mund und Finger) oder einer Lautbildung, welche dem Bild gegeben wird).

Die Zeit, in der das Bild über mehrere Wochen im Gruppenraum der Einrichtung hängt, befassen sich die Kinder immer wieder mit neuen Formen der kreativen, künstlerischen Auseinandersetzung. In diesen Prozess fließen alltägliche, lebensweltliche und Kita typische Themenfelder ein (Heranführung an die Natur, Flora, Fauna, Familienleben u.v.m.).

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In diesem Prozess gelingt es Renate Willmes, die anstehenden Themen der Kindergartenpädagogik und frühkindlichen Erziehung mit dem jeweils ausgeliehenen Bild zu verbinden und im Bild den Impulsgeber für eine neue Bearbeitung lebensnaher Themen auszumachen.

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Auf den Vortrag zur kulturellen Bildung im Elementarbereich folgte der Sprung in die gymnasiale Oberstufe des Apostelgymnasiums. Wie nicht anders zu erwarten, erfordert die organisatorische Vorarbeit im schulischen Kontext immer wieder einige Abstimmungsprozesse und somit Ressourcen an Zeit, Geduld und Ausdauer ab. Sind die organisatorischen Hürden erfolgreich genommen (Lehrer- und Schulkonferenz), kann das Projekt losgehen.

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Im Apostelgymnasium passt die Projektarbeit mit einem Kunstobjekt strukturell, zeitlich und hinsichtlich der thematischen Voraussetzungen am besten in den Abiturjahrgang. Schüler und Schülerinnen dieses Jahrgangs wählten jeweils ein Werk bei der Artothek aus und befassten sich über mehrere Wochen damit.

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Der Einstieg in die Auseinandersetzung erfolgte ganz klassisch: perzeptiv. Jeder Teilnehmende geht in seiner Bezugnahme auf das entliehene Werk den drei Fragen nach: Was sehe ich? Was denke ich? Was fühle ich? wenn ich das Bild betrachte. Eine Vielfalt unterschiedlicher Kreativtechniken unterstützten die anschließend Prozesse der Auseinandersetzung mit dem Bild.

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Ob die verfassten Briefe an die Künstler auch an diese versendet wurden, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen. Ganz sicher folgte ein krönender Abschluss: Ein beeindruckender Katalog mit Texten und Fotografien von den entstandenen eigenen Kunstwerken, welche im Kontext der Bildaneignung mittels der Kreativtechniken ermöglicht wurden.

Weitere drei Institutionen stellten sich und ihre Arbeitsweise vor: Das Institut für Kunst und Kunsttheorie der Universität zu Köln mit dem Projekt „Liebe zum Bild; die Artothek München präsentierte ihre Arbeitsweise und die Artothek des Neuen Berliner Kunstvereins stelle Formate teilhabeorientierter Kunstvermittlung vor. Wer dazu mehr erfahren möchte, möge auf die Publikation zur Tagung zurückgreifen, welche Ende 2018 erscheinen wird.

Informationen zur Artothek Köln finden Sie hier