Kreatives Schreiben zu Bildern der Artothek Köln

Die Werkstatt mit Teilnehmerinnen aus dem Bereich 50+ im Bürgerhaus Stollwerck befasste sich damit, wie das gehen kann: Schreiben mit und zu Kunstwerken der Artothek.

In Kooperation mit dem Fachbereichs 50 + im Bürgerhaus Stollwerck und der Artothek Köln führte der Museumsdienst Köln die Werkstatt Kreatives Schreiben durch. Die insgesamt 4 Kurseinheiten (je 3 Std.) fanden in den Monaten Mai bis Juni 2018 als out-reach-Projekt im Bürgerhaus Stollwerck statt. Das hatte den Vorzug, dass die Teilnehmerinnen sich in vertrauten Räumen bewegten und dort sich leichter an etwas Unbekanntes, Neues heranwagen konnten. Im Vorfeld hatten die Kooperationspartner und die voraussichtlich Teilnehmerinnen sich in der Artothek Köln getroffen. Jede Teilnehmerin lieh ein Bild für das bevorstehende Projekt in der Artothek aus. Die Kunstwerke zogen danach nicht in private Wohnungen ein, sondern fanden ihren Platz an den Wänden im Bürgerhaus Stollwerck, konkret in einem Gruppenraum des Fachbereichs 50+ und standen so zu den Workshop-Terminen zur Verfügung.

Wie man sich individuell Zugänge zu Bildern erschließen kann

vermittelten die Schreibanregungen und -Impulse, die jeder für sich und auf seine Weise nutzt. Dabei fand in der Gruppe ein intensiver Austausch statt. Das Vorlesen der eigenen Texte im Anschluss an das Schreiben inspiriert den eigenen kreativen Prozess, schafft weitere Zugänge und regt erneut zur Auseinandersetzung an. Es ist immer wieder  erstaunlich, welche Vielfalt an Zugängen dasselbe Bild eröffnet und zulässt.

Das Kreative Schreiben macht Spaß und ist voller Überraschungen

wenn man schreibend Gedanken auffindet und persönlichen Bezügen auf die Spur kommt, von denen man zuvor nur etwas geahnt hat. Dieser Weg wird unterstützt von den Kreativtechniken, die zu Worten und zu Texten hinführen. Das Ansehen und die Ansichten verändern sich im Prozess der schreibenden Auseinandersetzung stetig, so dass die Kunstwerke einzeln und in der Gruppe immer wieder neu wahrgenommen und gelesen werden, neue Berührungspunkte und Blickrichtungen gefunden werden.

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Waltraut Schieffer/ Susanne Koenen….

In der Werkstatt erhielten die Teilnehmerinnen unterschiedliche Methoden an die Hand, die  aufeinander aufbauend, zum kreativen Schreiben hinführten und verschiedene Wege der Textproduktion und des Schreibens ausprobieren ließen.

Viele Wege führen zum Ziel

und eröffnen unterschiedliche Zugangsweisen. Für manche Menschen sind jene Verfahren wichtig, die bei der Stoffsammlung helfen,  andere wünschen sich Schreibspiele, die über besonderen Spaß den Weg zum Schreibfluss ebnen. Wenn witzige bis absurde Texte entstehen, kann das sehr inspirierend wirken. In jedem Fall beleben Gemeinschaftstexte eine Gruppe und man kommt verstärkt in den Dialog.

Nicht aller Anfang ist schwer

denn das Schreiben nach Vorgaben und Regeln vermittelt die Struktur, die das Beginnen und das Anfangen leicht macht, da eine Grundorientierung vorliegt (vgl. Böttcher,  Girgensohn, von Werder, Ortheil). Der Wunsch der Teilnehmerinnen, nach einer Fortsetzung, hat nicht nur die Kursleitung, Susanne Kieselstein, als Dozentin gefreut sondern auch alle beteiligten Kooperationspartner.

Wenn auch Sie Interesse bekommen haben am Kreativen Schreiben und mehr darüber erfahren möchten, oder gar eine Werkstatt Kreatives Schreiben realisieren wollen, kontakten Sie mich: 0221-221 27874 oder per E-Mail: susanne.kieselstein@stadt-koeln.de

Textbeispiele 

Es folgt nun eine kleine Auswahl an Texten (weitere, von allen Teilnehmerinnen, werden folgen), die einen Eindruck von unserem Prozess vermitteln.

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Sabine Otten

Im Namen aller Kooperationspartner und der Werkstatt- Teilnehmerinnen wünsche ich nun viel Spaß bei Bild & Text!

Wilker, Erich, Futuremanentonade, Bleistift & Kreide & Tusche : Bütten, 1977 (Köln, artothek - Raum für junge Kunst, 1978.160.  (Foto: © Rheinisches Bildarchiv Köln, Walz, Sabrina, rba_d019465)

Bild: Erich Wilker, Futuremanentonade 1977
Texte von Sabine Otten

Gestern sahen sich der Mann mit dem Hut und die Frau kleines Hütchen zum ersten Mal

Heute hatten sie den Mut, gegenseitig „hallo“ zu sagen und sich in die Augen zu sehen

Morgen werden sie nicht aneinander vorbeigehen, sondern stehenbleiben und plaudern

 

Vielleicht gehören Mann und Frau zusammen, vielleicht

vielleicht sollten sie öfter miteinander reden, vielleicht

vielleicht gibt es gemeinsame Interessen, vielleicht

vielleicht finden sie sich, wenn nicht, ist es auch nicht schlimm,

vielleicht.

 

Johne, Lali, o.T., Aquarell grün, gelb, braun, rosa, 1994 (Köln, artothek - Raum für junge Kunst, 2001.007.  (Foto: © Rheinisches Bildarchiv Köln, Schlier, Britta, rba_d019071)

Lali Johnen, o.T., 1994

Gestern habe ich das Bild mit den ungeliebten, dominierenden grünen Quadraten betrachtet. Heute sehe ich, dass das Bild einen wärmenden Mittelpunkt hat, in sonnigem Gelb. Morgen nehme ich mir einen Pinsel und übermale das schmutzige Braun in den Ecken, denn diese Quadrate müssen raus aus dem Bild, damit ich es ein bisschen mag

Sabine Otten

 

Vielleicht

Vielleicht halten Quadrate im Wechseltakt die Ordnung aufrecht, vielleicht.

Vielleicht gibt es viele bunte Möglichkeiten dabei, vielleicht.

Vielleicht verändert sich auch ihre Form und Farbe, vielleicht.

Vielleicht sind sie in dieser Form gerade wichtig, vielleicht.

Susanne Koenen
                                                                                             

Barath, Heike Kati, o.T., Aquarell, 1999 (Köln, artothek - Raum für junge Kunst, 2001.015.  (Foto: © Rheinisches Bildarchiv Köln, Walz, Sabrina, rba_d019530)

Heike Kati Barath, o.T., 1999

Leichtigkeit wie ein Schmetterling. Leichtigkeit in der Frische des unberührten Tages. Leichtigkeit in der Umdrehung beim Tanz. Leichtigkeit als luftiger Gedanke. Leichtigkeit, die die Welt aus den Angeln hebt.

Susanne Koenen