Vor dem Römisch-Germanischen Museum – oder Ordnung am Roncalliplatz

Das Bild der 19. Woche vom 07 bis 13. Mai  ist eine Fotografie von Heinz Held. Im Text dazu heißt es dazu:

Unser Bild der Woche zeigt die Situation, wie sie sich Anfang der 1970er Jahre zeigte. Der Fotograf Heinz Held hatte diese wohlausgewogene Aufnahme vom Dach des Hohen Doms gemacht, der den Platz nach Norden begrenzt. Im Bild sieht man links das Römisch-Germanische Museum, oben das Kurienhaus und in der Mitte die Terrasse des einstigen Museumscafés, an das sich nur noch die älteren Kölnerinnen und Kölner erinnern dürften.

Heinz Held (1918-1990) ist einer der großen Chronisten der Kölner Nachkriegszeit. Seit den späten 1940er Jahren Geschäftsführer einer Kunstgalerie, konzentrierte er sich im Laufe der Jahre zunehmend auf die Fotografie, veröffentlichte mehrere Kunstreiseführer und schuf mit seinen Aufnahmen eine „Magie des Banalen“ (so der Titel eines unveröffentlichten Fotobuches). Siehe mehr unter Bild der Woche

Ich lade Sie jetzt herzlich dazu ein, die Fotografie von Heinz Held für einige Augenblicke intensiv zu betrachten.

Held, Heinz, Römisch Germanisches Museum, von oben, Silbergelatine, Köln (Foto: © Rheinisches Bildarchiv Köln, rba_d036916)

Nehmen Sie sich dafür am besten 5 Minuten Zeit. Am Einfachsten ist es, Sie stellen sich einen Timer (Mobiltelefon, Wecker) auf 5 Minuten. Bereit?

Schreiben Sie im Anschluss Ihre spontanen Gedanken, Assoziationen und Erinnerungen untereinander auf ein Blatt Papier. Hier einige anregende Fragen:

  • Welchen Titel würden Sie der Fotografie geben?

  • Was ist Ihre zentrale Wahrnehmung?

  • Was fällt zu allererst in Ihren Blick?

  • Was sehen Sie an kleinen Details und scheinbaren Nebensächlichkeiten?

  • Wie empfinden Sie den Platz? (einladend, groß, klein, modern)

  • Kennen Sie den Platz so, wie er dort abgebildet ist, also aus den 1970er Jahren, und waren sie vielleicht jemals im Café, was direkt vor dem Römisch-Germanischen-Museum war?

  • Was könnte einige Sekunden vor der Aufnahme gewesen sein?

  • Was sehen wir nicht, was kurz nach der Aufnahme geschah?

  • Schreiben Sie Stichworte auf, ohne langes Nachdenken, ohne zu beurteilen.

Aus den Stichworten, Gedankensplittern, Adjektiven und Begriffen wählen Sie nun

  1. Ihre persönliche Überschrift aus
  2. nun schreiben Sie einen Text
  3. Wer Lust hat kann nach diesem „Muster“ vorgehen:
  4. Mit dem Wort „Gestern“ beginnen, nach ca. 3-4 Sätzen eine neue Aussage einleiten mit neuer Zeitbestimmung „Heute“ (3-4 Sätze schreiben). Und den letzten Abschnitt einleiten mit „Morgen“ (3-4 Sätze).

Viel Vergnügen !

HILFE für den Schreibvorgang

Stellen Sie den Timer, nun auf 15 Minuten. Schreiben Sie. Da die Zeit begrenzt ist, eignen sich Momentaufnahmen, Vignetten, Augenblicke, Blitzlichter und knappe Kurzgeschichten. Gedankenströme und Momentaufnahmen sind besser als lange, epische, romanhafte Ansätze.

Zu langes Nachdenken behindert das spontane Hinschreiben; folgen Sie den ersten Impulsen (Perfektion aufgeben), überlassen Sie sich dem eigenen Ausdruck!

Und noch ein Tipp: Sich zu wiederholen ist oft ein hilfreiches Mittel, immer wieder in den Schreibfluss zu kommen. Wenn der Schreibfluss stockt, dann schreiben Sie einfach auf eine anderes Blatt, was da gerade geschieht, was „jetzt“ passiert, z.B.: es stockt, kein Gedanke stellt sich ein. Meistens geht es dann wieder weiter..

Ihre

Susanne Kieselstein