Englisch lernen im Museum Ludwig

Daniela Byvank und Roswitha Henseler vom Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung Köln nutzen das Museum Ludwig seit vielen Jahren als außerschulischen Lernort. Auch in diesem Jahr besuchten sie mit einer Gruppe von neugierigen und motivierten Lehramtsanwärter*innen die Sammlung des Museums. Hier ist ihr Bericht:

Das Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung Köln und der Museumsdienst Köln kooperieren seit vielen Jahren miteinander. Zusammen mit der stellvertretenden Direktorin Karin Rottmann entstanden vielfältige Projekte und ein Programm, das Lehrerenden und Lernenden am außerschulischen Lernort Museum sowohl Kunst als auch die Fremdsprache vermitteln soll.

Der diesjährige Workshop im Museum Ludwig wurde begleitet und unterstützt von Julia Müller vom Museumsdienst Köln. Die Lehramtsanwärter*innen sollen den Wert des Museums als außerschulischen Lernort erkennen und die zahlreichen Möglichkeiten entdecken, um später als Lehrkräfte mit ihren Englischklassen auf diese Entdeckungsreise zu gehen.
Wie kann ein persönlicher Zugang zur Kunst genutzt werden? Wie kann ein Austausch angeregt werden über Gedanken und Gefühle, Meinung und Interpretation, Gefallen und Nicht-Gefallen – und das alles in der englischen Sprache?
Wie das gelingen kann, erproben die angehenden Lehrer*innen in drei Runden.

Bilder zum Sprechen bringen

Zunächst machen sich alle mit den Kunstwerken der POP ART vertraut (Methode Phrase it!).  Dazu gehen die Lehramtsanwärter*innen zu zweit oder zu dritt durch die Ausstellung und wählen ein Kunstwerk aus. Sie spekulieren darüber, was die Personen (oder auch Gegenstände) im Bild denken oder sagen könnten. Anschließend fotografieren sie das Kunstwerk und fügen mit Hilfe einer Foto-App Sprech- oder Gedankenblasen ein. Um ihre Interpretation zu stützen, fertigen sie zusätzlich drei Detailaufnahmen an. Nach 20 Minuten sollten alle Paare oder Dreiergruppen fertig sein und ihre Ergebnisse einem anderen Team präsentieren.
Foto- App
Mit einer Foto-App wie Perfect Image, Bubbled: Speech Bubble, Tinipiny Camera oder Bubble: Comic – Text Untertitel können Lernende Bilder fotografieren und mit Sprechblasen, Titeln oder Untertiteln versehen. Diese bearbeiteten Bilder können verschickt und kommentiert werden.

Sich in Bildfiguren einfühlen
Im Zentrum der nächsten Übung steht Jeff Walls Fotografie Listener (2015). Als Einfühlung in die Situation und die Personen im Foto stellen Freiwillige die Männergruppe auf dem Bild nach (freeze frame). Dies geschieht zunächst ohne Worte. Die Beobachter*innen dürfen vorsichtige kleine Korrekturen vornehmen und einzelne Figuren durch Handauflegen zum Sprechen bringen (thought tracking). Anschließend notieren alle Lehramtsanwärter*innen Fragen an die abgebildeten Personen. Dann beginnt das eigentliche picture interview, bei dem es auf Spontaneität und Kreativität ankommt. Es wird eine Frage an eine der Bildfiguren formuliert und laut vorgetragen. Ein*e Freiwillige*r stellt sich vor die betreffende Person im Bild und beantwortet die Frage aus deren Sicht. Dieselben Fragen können nacheinander von mehreren Teilnehmer*innen beantwortet werden, um unterschiedliche Interpretationen deutlich zu machen. Danach wird mit neuen Fragen fortgefahren.

Geschichten erzählen

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Bildgeschichten entwickeln im Pop-Lab (Foto: Museumsdienst Köln, J. Müller)

Die dritte Station ist Roy Lichtensteins Maybe (1965). Hier sollen kooperativ Geschichten mit Hilfe der Methode paper theatre erzählt werden. In Viererteams setzen sich die Lehramtsanwärter*innen zunächst mit dem Bild auseinander. Dann sammeln und diskutieren sie Details für die Geschichte, die das Bild ihrer Meinung nach erzählt. Dabei versuchen sie Bilderdetails zu interpretieren, aber auch Leerstellen im Bild mit eigenen Ideen zu füllen. Sie einigen sich auch auf eine Zeit, in der die Geschichte spielt, legen das Genre und die Protagonisten fest. Daraufhin wird die Geschichte – ähnlich wie ein Storyboard – auf A3-Blätter im Querformat gezeichnet. Das Kunstwerk stellt das mittlere Bild dar, vier weitere Skizzen, die illustrieren, was vorher und nachher geschehen ist, werden angefertigt. Jedes Gruppenmitglied skizziert eine der Szenen. Die erste und zweite Zeichnung stellen dar, was einen Tag zuvor und wenige Minuten vorher geschehen ist. Das vierte und fünfte Bild visualisieren, was kurz darauf und einen Tag später passiert ist. Sind die Zeichnungen fertig, proben die Teams ihre Erzählung. Schließlich werden die Geschichten in der Runde vorgetragen. Dazu stehen die Erzähler nebeneinander, präsentieren ihre Skizzen und erzählen chronologisch. Das Kunstwerk wird in die Erzählung eingebunden. Auf diese Weise wird Maybe immer wieder neu interpretiert. Es entstehen kreative und spannende Geschichten.

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paper theatre zu Roy Lichtensteins „Maybe“

Wie war’s?
Zum Abschluss wird die Kooperationsveranstaltung ausgewertet. Das geschieht mit Hilfe der App Edkimo. Zuvor generierte Fragen werden von den Lehramtsanwärterinnen und -anwärtern an ihren Smartphones beantwortet. Die Veranstaltung wird so innerhalb von 30 Sekunden evaluiert. Die Ergebnisse sind direkt anzusehen! Und sie sind erfreulich. J Wir freuen uns schon auf unseren nächsten Besuch!

Edkimo
Die kostenlose App https://edkimo.com bietet sich an, um Schule und Unterricht zu evaluieren. Lehrkräfte können Umfragen zur Reflexion und Evaluation generieren. Schülerinnen und Schüler rufen die Umfrage mittels einer Code-Nummer an ihren Smartphones auf und beantworten die Fragen. Die Ergebnisse werden automatisch berechnet und können in verschiedenen Diagrammen visualisiert werden

Daniela Byvank / Roswitha Henseler

Sie möchten das Museum als außerschulischen Lernort für den Englischunterricht nutzten? Dann buchen Sie den Workshop „Let‘s talk about Art“ im Museum Ludwig. Details zum Inhalt und zur Buchung finden Sie hier.

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