vogelsang
Außengelände des Lernortes Vogelsang (Foto: Barbara Kirschbaum)

Die Kontakte zwischen dem Team der Bildungsreferentinnen des Lernortes Vogelsang, der Info- und Bildungsstelle gegen Rechtsextremismus am NS DOK und uns reichen schon einige Jahre zurück. Durch die Verzögerungen beim Umbau der ehemaligen Ordensburg Vogelsang hat sich allerdings die praktische Zusammenarbeit bislang nicht realisieren lassen. Seit September 2016 ist es nun aber soweit: Die Dauerausstellung „Bestimmung: Herrenmensch“ wurde eröffnet, und das Gelände der Burg Vogelsang ist frei von Baustellen. So nimmt auch die geplante Kooperation wieder Fahrt auf. Bei einem Treffen auf Vogelsang wurden nun die ersten gemeinsamen Programme für Schulklassen der Sek I und Sek II entwickelt. Gedacht ist an ein jeweils 1,5-tägiges Programm.

Für die Sekundarstufe I richtet sich der Blick in Vogelsang auf die Elite-Bildung im nationalsozialistischen Sinne. Was war das Konzept des sog. „Herrenmenschen“ und wie wurde es in der Realität umgesetzt? Hier bieten sowohl die Ausstellung als auch die gesamte Anlage der Burg sehr anschauliche Ansätze.  Die Auswahl der sogenannten  Junker und ihre Ausbildung illustrieren das rassistische Menschenbild. Ihr Einsatz in den besetzten Ostgebieten, sowohl im Rahmen der Massaker an der polnischen und russischen Bevölkerung und im Zusammenhang mit der Vernichtung der Juden als auch bei der Verschleppung von Hunderttausenden von Menschen zur Zwangsarbeit war die konsequente  Umsetzung des rassistischen Konzepts in die Praxis.

Im EL-DE-Haus knüpfen wir an die Schicksale der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in Köln an, die eine Vielzahl von Inschriften in dem ehemaligen Gestapo-Gefängnis hinterlassen haben. Die Dauerausstellung „Köln im Nationalsozialismus“ illustriert am Beispiel der Großstadt Köln die gesellschaftliche Grundlage, aus der dann die Kandidaten für die „Elite“ ausgewählt wurden. Hier wird auch deutlich, wie breit die rassistische Ideologie in der Mehrheitsgesellschaft verankert war. Aktueller Rassismus wird dann gemeinsam mit der Info-und Bildungsstelle gegen Rechtsextremismus bearbeitet.

Für die Sekundarstufe II diskutieren wir einen Ansatz, der sich auf der Metaebene bewegt. Es geht um eine Beschäftigung mit der Erinnerungskultur. Wie wurde in der Vergangenheit mit Orten der NS-Geschichte umgegangen? Wie gestaltete sich eine Aufarbeitung, welche Formen wurden gefunden? Die Beispiele der Burg Vogelsang, des von der belgischen Armee evakuierten Dorfes  Wollseifen und  des EL-DE-Hauses  in Köln bieten hier konkrete Ansatzpunkte für eine Diskussion. Ergänzt werden soll dies durch ein Angebot der ibs  zum Umgang der extremen Rechten mit NS-Symbolen und Täter-Orten.

Zum nächsten Schuljahr wollen wir mit diesem Kooperationsangebot an  den Start gehen. Es wird vor allem für Klassenfahrten interessant sein, da über die lokalen Jugendherbergen in der Eifel und in Köln die Unterbringung der Klassen über mehrere Tage sichergestellt ist.

Barbara Kirschbaum