„Oma und Opa – erzählt doch mal!“ ist eine oft gehörte Aufforderung der Enkel an die eigenen Großeltern, denn nichts ist so spannend, wie Geschichten aus einer anderen Vergangenheit. Das Verfassen von Memoiren und Biographien boomt wie nie zuvor, die Buchläden sind voll von Darstellungen und Berichten aus den unterschiedlichsten Bereichen, denn jeder Mensch hat seine eigene Erzählung.

Auch jede Stadt hat ihre eigene Vergangenheit, bunt und vielfältig wie ihre Bewohner – und jeden ersten Donnerstag im Monat, am Köln-Tag, wird diese im Stadtmuseum lebendig. Dann kommen ehrenamtliche Mitglieder des Erfahrungsvereins für Initiativen (EfI), und erzählen, was sie so erlebt haben. Mal ernst und mal schmunzelnd, Komisches und Skurriles, zu jeder Zeit und zu jeder Lebenslage gibt es eine Erinnerung, die man teilen kann und die ein anderes Köln lebendig werden lässt. Je nach Interesse der Zuhörer wechselt das Thema vom Weltkrieg über „Knütte klauen“ bis zum Ausflug in die Eifel, sodass jeder unterhalten wird. Diese Woche waren Frau Tober und Herr Grünewald im Kölnischen Stadtmuseum und haben den Zuhörern von letzten Kriegserlebnissen und der Nachkriegszeit in Köln berichtet.

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Zeitzeugengespräch am 4.8.2016. Zu sehen sind die Zeitzeugen Herr Wenzel und Frau Diederich. (Foto: S. Kieselstein, Museumsdienst Köln)

Nicht nur die Geschichte der Stadt Köln wird auf diese Weise wesentlich anschaulicher als im Geschichtsunterricht, sondern auch die Erlebnisse einer anderen Generation sind niemals schöner, als in der direkten Erzählung. Geteilte Erinnerung ist etwas, das jeden Menschen und jede Gruppe ausmacht und zusammenfügt – und ein nicht in Zahlen aufzuwiegender Schatz der Gesellschaft.

Judith Uebing