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Gruppe von demenziell veränderten Besucherinnen und Besuchern im MOK (Foto: Gabriele Sauer)

Seit September 2016 ist das Museum für Ostasiatische Kunst ein weiterer Kulturort, an dem es spezielle Vermittlungsangebote für hochaltrige und dementiell erkrankte Menschen und ihre Begleitung gibt. Engagierte Museumspädagoginnen des Museumsdienst Köln bereiteten sich im Vorfeld gemeinsam mit dem Kulturgeragogen Jochen Schmauck-Langer von dementia + art auf die besonderen Bedürfnisse der neuen Besucher vor.

Neben den Fragen der inhaltlichen Kunstvermittlung sind bei inklusiven Gruppen in besonderem Maße bauliche und logistische Fragen zentral. Ein barrierefreier Zugang zum Museum und seinen Ausstellungsräumen ist eine Grundvoraussetzung für kulturelle Teilhabe. Bei der Vorbereitung des Ausstellungsrundgangs muss neben den inhaltlichen Fragen auch berücksichtigt werden, wie gut einzelne Exponate beleuchtet sind und ob es genug Platz gibt: für mehrere Rollstühle, Rollatoren und Begleitpersonen.

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Dinge begreifen: zum Beispiel eine Pflaume (Foto: Gabriele Sauer)

Für die Museumspädagoginnen war ganz schnell klar, dass der inhaltliche Zugang zu den typischen ostasiatischen Bildthemen nicht vorrangig über Sprache erfolgen kann. Aber wie soll man das chinesische Rollbild mit dem Porträtbild eines hohen chinesischen Beamten der Ming-Dynastie mit möglichst wenigen Worten und ohne Fachsprache und Fremdwörter vermitteln? Dies fällt gerade den wissenschaftlich ausgerichteten Kulturvermittlerinnen schwer und bedarf einiger Übung. Die museumtypische verbale Vermittlung funktioniert bei inklusiven Besuchergruppen nur sehr eingeschränkt. Wichtig ist es, die in leichter Sprache vermittelten Inhalte durch non-verbale Elemente, wie Hands-on-Material, Bildkarten oder Musik, sinnlich begreifbar zu machen.

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Auf Tuchfühlung mit asiatischer Seide (Foto: Gabriele Sauer)

In der didaktischen Sammlung des Museumsdienstes finden sich glücklicherweise passende Objekte: edle Seidenkimonos zum Anfassen und Anprobieren oder Porzellanschalen zum Tasten und Betrachten. Manchmal kommen in den Führungen auch echte Pflanzen, z.B. Bambus- und Pflaumenzweige zum Einsatz. Sujets der asiatischen Malereien oder Dekore auf Kunsthandwerk werden auf diese Weise mit vielen Sinnen begreifbar und bieten außerdem gute Kommunikationsanlässe: z.B. über das „gute Porzellan der Großmutter“, dass als Kind nur bestaunt aber nicht berührt werden durfte. Denn eines ist für die Teilhabe der betagten Besucherinnen und Besucher besonders wichtig: Mit ihrem reichen Erfahrungsschatz sollen sie sich selber zu den ausgewählten Kunstwerken äußern. Damit knüpfen Sie an eigene Erlebnisse an und können sich darüber mit den Kulturvermittlerinnen und Mitbesuchern austauschen.

Mittlerweile haben bereits Gruppen aus unterschiedlichen Kölner Senioreneinrichtungen den „Ausflug nach Ostasien“ genossen. Neben der Freude, die Begegnung mit der älteren Klientel macht, ist ein spannender Nebenaspekt für die Museumspädagogen ein teilweise „neuer“, entschleunigter Blick auf die Sammlung. EInen ausführlichen Bericht bietet das Magazin des Clarenbachwerks.

Buchungswünsche werden hier erfüllt. Weitere Informationen direkt bei: caroline.stegmann-rennert@stadt-koeln.de

Carolin Stegmann-Rennert