„Wie war dein Name? Du musst lauter sprechen!“, fordert der Schauspieler Omar El-Saeidi die Schülerin auf, „Mach dich mal groß!“, ermutigt er. Gemeinsam mit sieben anderen Schülerinnen und Schülern steht das Mädchen in einem Kreis. Sie soll der Gruppe laut ihren Namen nennen und dazu eine Geste machen. Dabei ist das gar nicht so einfach. Die meisten der anderen Schüler kennt sie doch gar nicht richtig und im Treppenhaus des Museum Ludwigs hallen von überall die Stimmen anderer Besucher. „Ivona“, traut sie dann doch, schnippt zuerst mit den Fingern und streckt danach die Daumen in die Luft. Wie die anderen Jugendlichen nimmt sie am 16.9.2016 im Museum Ludwig an einem Performance-Workshop teil.

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Performancetraining mit Schauspieler Omar El-Saeidi und Museumspädagogin Angelika von Tomaszewski (Foto: Museumsdienst Köln, K. Rottmann)

 

„Identitäten in Köln“

Der Workshop ist Teil des Schülerprojekts „Identitäten in Köln“, an dem 99 Schülerinnen und Schüler aus 9 verschiedenen Herkunftsspachenklassen beteiligt sind. Ein Projekt, welches vom Museumsdienst Köln in Kooperation mit dem Zentrum für Mehrsprachigkeit und Integration (ZMI) durchgeführt wird. Inspiriert durch Candida Höfers Fotoserie „Türken in Deutschland“ im Museum Ludwig sollen die Schülerinnen und Schüler im Rahmen des Projekts der Frage nach ihrer eigenen Identität vor dem Hintergrund ihrer kölschen sowie herkunftskulturellen Lebenswelt nachgehen und daran anschließend wie sich dies mit dem Medium der Fotografie darstellen lässt. Seinen Abschluss findet das ein Jahr andauernde Projekt in einer Ausstellung der Schülerfotografien im Museum Ludwig. Um die Eröffnungsfeier der Ausstellung am 30.9.2016 lebendiger zu gestalten, will heute ein Teil der Schülerinnen und Schüler mit Hilfe des Schauspielers Omar El-Saeidi eine Performance einüben. Das Kennenlernspiel am Anfang soll nicht nur das Eis zwischen den Jugendlichen brechen, sondern sie auch darin bestärken, selbstbewusst und lautstark aufzutreten.

„Aber da fliegen mir voll viele Fliegen rein!“

Die Schülerinnen und Schüler mitzureißen ist kein Problem für den erfahrenen El-Saeidi, der die Jugendlichen mit seiner fröhlichen Art und Energie sie immer wieder animiert, mehr aus sich herauszugehen. „Du musst deinen Mund beim Sprechen öffnen“, ermutigt der Schauspieler und macht in komisch übertriebener Art ein vor sich hin murmelndes Mädchen nach. „Aber da fliegen mir voll viele Fliegen rein“, will sie noch protestieren, muss sich dabei aber ein Lachen verkneifen. Spätestens mit der „Übung für Krieger“ hat er die ganze Gruppe auf seiner Seite. Ein imaginäres Schwert soll kraftvoll durch die Luft geschwungen und dabei mit einem energischen „Ho!“ untermalt werden. Die theaterpädagogischen Übungen am Vormittag haben die Gruppe gestärkt, nach der Mittagspause sind die Teilnehmer startklar für die eigentliche Performance.

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Teilnehmerinnen des Projektes „Identitäten in Köln“ (Foto: Museumsdienst Köln, K. Rottmann)

Griechisch trifft Türkisch und Kroatisch

Da die Gruppe aus den drei Herkunftssprachenklassen Griechisch, Türkisch und Kroatisch zusammengesetzt ist, sollen sich diese drei Kulturen natürlich auch in der Performance wiederfinden. Was ist typisch für unsere Kultur? Dieser Frage sind die Schülerinnen und Schüler bereits im Vorfeld nachgegangen und haben darauf bezugnehmende Begriffe gesammelt. Beispielsweise griechische Volkstänze, die türkische Spezialität Lahmacun oder das Gefühl der Gemeinschaft, was auf Kroatisch Zajednica heißt. Eine Auswahl aller Begriffe wird nun auf abwechslungsreiche Art – beispielsweise durch pantomimische Darstellung, choreografische Bewegungsabläufe oder sprachliche Aufbereitung – in die Performance eingearbeitet, die nach und nach entsteht. Besonders schön anzusehen ist dabei der Chor der Kulturen, bei dem die Schülerinnen und Schüler gemeinsam singen. Gemeinsam singen? Jawohl! Nach knapp 5 Stunden Workshop lassen sie sich vom normalen Museumsbetrieb kaum mehr ablenken, die Besucher um sich herum scheinen sie schon längst vergessen zu haben. Am Ende des Tages können die Schülerinnen und Schüler und Omar El-Saeidi zufrieden auf eine gelungene Performance zurückschauen, bei der ganz selbstverständlich Griechisch auf Türkisch und Kroatisch trifft.

Die komplette Performance und die Fotografien der Schülerinnen und Schülern werden im Rahmen einer Ausstellungseröffnung erstmalig präsentiert.

„Identitäten in Köln“
Eröffnung der Ausstellung
30.09.2016, 15 Uhr
Graphikvorlage im Museum Ludwig

 Es sprechen die Ministerin für Schule und Weiterbildung Sylvia Löhrmann, die Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes sowie der Direktor des Museum Ludwig Yilmaz Dziewior.

Zur Ausstellungseröffnung wird herzlich eingeladen.

(Carolin Ayasse)