Eine in den Körper wabbernde, donnernde Klangperformance, die den Raum bedröhnt, eine laute Stille erzwingt. Und eine direkte Assoziation:

Ein Dröhnen: es ist die Wahrheit,
selbst unter die Menschen getreten,
mitten ins Metapherngestöber.   
Paul Celan

An einem elektronischen Gerät hantierend, vielleicht ein Mischpult oder auch (nur) ein Klangverstärker, oder beides? Die belgische Künstlerin Caterine Lorent. Als Dienerin der ausgestellten 7 Gibson-Explorer-Gitarren – die allesamt mit Sensor und Klangabnehmern als technische Gehilfen ausgestattet sind. Konzentrierte Handgriffe, gezielt, gekonnt. Es ist Mittwoch, der 08. Juni 2016. Ort des Geschehens: artothek, Eröffnung der Ausstellung: Kölner Doom/ Relegation.

Klangwellen schwappen aus den verschiedenen Lautsprechern, schaffen es mühelos über die antrainierten muskulären Schutzwälle. Anspannungspanzer scheppern von den gerüsteten Körpern, erschüttert (zumindest eine Zeit lang) – Laser zertrümmert. Harte Risse nach innen. Dampfend klopft, berstet und brummt es. Ein nachpfingstliches Brausen im säkularen Raum. Aufschwellen,  brüllendes Krachen und Scheppern, Seitenjaulen, Gewummer. Minuten? Lang. Dann, stotternd, federnd klingt das Krachen ab, geht über in ein zuckendes Krächzen, das langsam verbrummt in einen schwingenden Grund. Herzschlag, Puls, Ein- und Ausatmen. Wirklichkeit. Zeit, los, anhalten, im Klang, Klangkörper sein, beatmet, beschwingt.

Im Nachhall: Wortklänge – von Paul Celan:

„EINMAL, da hörte ich ihn
da wusch er die Welt,
ungesehn, nachtlang, wirklich.
Eins und Unendlich,
Vernichtet. Ichten.
Licht war. Rettung.”

Die Ausstellung ist noch zu sehen bis zum 27.08.2016. Weitere Informationen zu Paul Celan finden sich hier.

Tabea Canto (Alle Fotos: Susanne Kieselstein, Museumsdienst)