Im Rahmen der Internationalen Kinder- und Jugendbuchwochen zeigt das Museum für Angewandte Kunst die Sonderausstellung „Schau mich an“.

In einer Art Triptychon werden Kinderillustrationen von Ingrid Godon den Kinder- und Familienporträts August Sanders gegenübergestellt. Texte des Kinderbuchautors Toon Tellegen ergänzen die Portraits zum klingenden Akkord: Tellegen versucht, die Gedanken und Wünsche der dargestellten Kinder sichtbar zu machen.

Bei der Betrachtung der Kinderportraits wird sofort klar, dass es hier nicht um einen nostalgisch romantisierenden Blick auf die süßen Kleinen geht. Es handelt sich hier um ernst zu nehmende Persönlichkeiten, die teils grimmig, misstrauisch, wütend und immer selbstbewusst der Welt gegenübertreten.

Die Herangehensweise der beiden Künstler könnte gegensätzlicher nicht sein: Godons zarte Zeichnungen sind rein fiktiv, denn es handelt sich nicht um klassische Portraits sondern um erdachte, von Godon erschaffene Kinder. Sanders Portraits sind Auftragsarbeiten, die zwischen den 1910er und 1940er Jahren für Familien im Westerwald und in Köln entstanden sind. Gleichzeitig sind die Bilder Gegenstand seiner Sammlung „Menschen des 20. Jahrhunderts“, denn für August Sander war „das Wesen der gesamte Photographie […] dokumentarischer Art“. Ingrid Godon Portraits vor leerem Hintergrund sind überzeitlich, jedenfalls zeitlos. Zusammen mit den lyrischen Texten Toon Tellegens ergibt sich so ein fast metaphysischer Diskurs. Jedoch öffnet sich dieser intensive Blick auf Kindheit stets auf Augenhöhe mit dem Betrachter. Nicht nur August Sander hat sich während des Fotografierens in die Knie und somit auf die Größe der Kinder begeben. Auch in der Sonderausstellung werden die Bilder nach der „neuen Kölner Hängung“, so Direktorin Dr. Petra Hesse, tiefer gehängt. Dies ist nicht nur für den Blick kleinerer Besucher wohltuend!

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„Selfie“ von Ingrid Godon und Bart Moeyaert, künstlerischer Leiter des Ehrengastes der Frankfurter Buchmesse 2016 Flandern und NL

Im nahegelegenen „Garten“ entstehen unter „Wunsch-Bäumen“ eigene Zeichnungen und Gedanken. Eine „Bilderleine“ ermöglicht die kreative Partizipation an der Auseinandersetzung mit den Ausstellungsinhalten – nicht nur für Kinder. Gleichzeitig bereichern die neuentstandenen Portraits die Ausstellung und ermöglichen dem interessierten Besucher einen ganz aktuellen Blick auf Kindheit zu erhaschen.

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Im „Garten“ der Ausstellung (Foto: Elvira Puggé)

Kindheit und Kinder – Überzeitlich und Zeitlos: Die Sonderausstellung eröffnet noch bis zum 10. Juli die Betrachtung aber auch den Diskurs über die komplexe Wesenhaftigkeit von Kindheit. Mehr Informationen zum Begleitprogramm hier.

Andrea Imig