Wie kann Inklusion in der kulturellen Praxis qualitätsvoll gestaltet werden? Wie können sich Kultureinrichtungen und Kulturpolitik für Menschen mit Behinderungen öffnen? Diesen und anderen Fragen widmete sich das anderthalbtägige Symposium  „All in“, zu dem das Institut für Bildung und Kultur e.V. in Zusammenarbeit mit kubia – Kompetenzzentrum für Kultur und Bildung im Alter ins Kulturquartier am Neumarkt einlud.

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Verantwortliche und Teilnehmende mit Moderator Matthias Berg (Foto: ibk)

Schnell wird deutlich, dass es beim Thema Inklusion um weit mehr geht, als Theater und Museen für Besucher mit Behinderungen barrierefrei  zu gestalten: Inklusion im Sinne der UN-Menschenrechtskonvention  zu den Rechten von Menschen mit Behinderungen meint nicht nur die passive Teilhabe an Kunst und Kultur – beispielsweise den Besuch eines Konzerts oder einer Ausstellung. Es meint auch die aktive Teilhabe – d.h. die Möglichkeit  als Tänzer, Musiker oder Schauspieler ausgebildet zu werden und beruflich tätig zu sein. Inklusion braucht darüber hinaus auch einen Perspektivenwechsel in der Gesellschaft, der Kultur und der Kulturpolitik: Kulturelle Teilhabe ist nicht nur ein Recht des einzelnen Menschen, egal ob mit oder ohne Behinderung, sondern eine Bereicherung, die Kreativität und Innovation fördert.

Einen Blick über den Tellerrand ermöglichte der Vortrag von Ben Evans, der als Head of Arts and Disability des British Council die Bedeutung von Inklusion für kulturellen Institutionen betonte. Anhand von britischen Beispielen aus den Bereichen Tanz, Musik und Theater zeigte er, dass kulturelle Aufführungen mit Menschen mit Behinderungen zu den innovativsten in Europa gehören.

In Workshop „Leicht verständliche Sprache im Museum“ diskutierten die TeilnehmerInnen gemeinsam mit Eeva Rantamo, Expertin für inklusive Kulturarbeit, über die Voraussetzungen für inklusive Angebote im Museum. Die Verwendung von einfacher Sprache ist dabei ein entscheidender, aber eben nur ein Bestandteil. Mindestens ebenso wichtig ist es, schon im Vorfeld Informationen zu Buchung, Führung und Museum barrierefrei bereitzustellen und auf die Bedürfnisse der einzelnen Gruppen und Besucher individuell einzugehen.

Welche Chance, aber auch welche Schwierigkeiten Inklusive Projekte mit sich bringen, konnten die Teilnehmer anhand von zahlreichen Praxisbeispielen erfahren. Vorgestellt wurden unter anderem die internationale, multidisziplinäre Produktion Un-Lable durch die Projektleiterin Lisette Reuter sowie das inklusive Theaterprojekt  Schrei mich an  – Inklu:City durch den Soziologen Dr. Siegfried Saerberg. Weitere inklusive Produktionen präsentierten sich im Rahmen vom offenen Proben sowie einer Werkschau im Comedia Theater Köln.

Die Vielzahl und Diversität der vorgestellten Projekte macht deutlich: Ein Patentrezept für inklusive Kulturarbeit gibt es nicht, Konflikte, Stolpersteine und erhebliche organisatorische Schwierigkeiten sind vorprogrammiert. Eine Teilhabe an Kunst  für alle zu ermöglichen, ist und bleibt somit eine wichtige gesellschaftliche Aufgaben von Museen und anderen Kultureinrichtungen  – solange, bis das Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderungen wirklich zum „Mainstream“ geworden ist. Ein Bericht zur gesamten Tagung findet sich hier.