Wir waren erfolgreich! Unsere Vorschläge zu einer Reihe „Köln mit allen Sinnen“ bekamen im Rahmen der Aktion Kultur macht stark den Zuschlag. Nun können wir ein knappes Jahr lang MuseobilBoxen bauen. Die MuseobilBox ist eine Idee des Bundesverbandes Museumspädagogik e.V. – getreu dem Motto „Museum zum Selberbauen“ setzen Kinder und Jugendliche ihre Ideen, die aus dem Museumsbesuch entspringen, in einer Box um. Und die wird am Ende des Ganzen auch ausgestellt. Aber bis dahin ist es ein langer Weg, denn zunächst gilt es, „Köln mit allen Sinnen“ in die Boxen zu packen.

Unseres Projekt beginnt im MAKK mit „Klang und Schall überall – Wie klingt Köln“. An vier Tagen gestalten wir unter diesem Motto das Ferienprogramm in zwei OGTS Gruppen der KGS Zehnthofstraße in Köln-Ostheim. Ausgerüstet mit vielen Materialkisten beginnen wir den ersten Tag à la „Wissen macht Ah“: Experimente zu Klang und Schall sensibilisieren die Sinneswahrnehmungen. Im Wasserbad machen wir Schallwellen mit Hilfe einer Stimmgabel sichtbar, durch die Klänge eines Metallophons lassen wir Reiskörner auf einer dünnen Membran vibrieren, Dosentelefone werden gebaut. Ein Hörmemory lässt uns selbst die kleinsten Unterschiede zwischen zwei Geräuschen wahrnehmen.

Im Museum für Angewandte Kunst dreht sich alles um das Thema Radio und Hörspiel: Die Sonderausstellung „RADIO Zeit!“ lässt uns nicht nur den Wandel vom Luxusobjekt zum ersten Massenmedium nachvollziehen, sondern auch den Beruf des „Geräuschemachers“ erfahren: Klingelbrett und Geräuschetür können direkt in der Ausstellung ausprobiert werden. Die Szenenbilder alter Hörfunkproduktionen zeigen, dass der Text eines Hörspiels nicht einfach nur abgelesen werden muss. Die Sprecher mussten richtig schauspielern: „Wie auf einer Theaterbühne!“, stellen die Kinder fest, als sie die Schusswaffenrequisite in der Hand des Hörspieldetektivs Paul Temple entdecken. Anschließend versuchen alle, selbst klassische Hörfunktricks anzuwenden. Besonders beliebt: das Aufeinanderschlagen zweier Kokosnussschalen zur Darstellung von Hufgeklapper. Die Betreuer denken sofort an die „Ritter der Kokosnuss“, den berühmten Film von Monty Python.

Nach zwei Tagen Vorbereitung in Sachen Geräusch geht es in der zweiten Hälfte des Projekts um die Gestaltung der MuseobilBOXen. Es müssen ja Höreindrücke hinein. Also ziehen die Kinder in Kleingruppen los und sammeln Geräusche. Geräusche, die für sie typische Kölner Geräusche sind. Eine Gruppe macht sich auf den Weg in die Innenstadt: zum Kölner Dom, zum Bahnhof, ins MAKK und ans Rheinufer. Die andere Gruppe bleibt in ihrem „Veedel“: Supermarkt, Straßenbahnhaltestelle, Spielplatz und Turnhalle werden hier zu Geräuschkulissen. Im Supermarkt fangen die Klangdetektive wird mit Hilfe eines Diktiergerätes den Kassenscanner, den Leergutautomaten, eine Schiebetüre, den Durchsage-Jingle und das Tütenrascheln an der Obsttheke ein.

Nun kommt die nächste Aufgabe: Die eingefangenen Töne werden von den Kindern in einem einfachen Schnittprogramm digital aneinander montiert. Einen Ort nur über seine Geräuschkulisse zu erfahren, das fasziniert die Gruppe. Mit Feuereifer versuchen am letzten alle, die die jeweiligen Geräusche dem in den Boxen dargestellten Ort zuzuordnen. Denn zwischenzeitlich ist auch das Innenleben der Boxen fertig.

Das Team des Museumsdienstes ist nicht nur von den Schülerinnen und Schülern sondern vor allem von den OGTS Betreuern sehr dankbar empfangen worden. Viele neue Impulse für die alltägliche Arbeit mit den Kindern habe man erhalten, so Bea und Michi vom OGTS-Team der KGS-Zehnthofstraße.

Acht kleine Mini-Museen sind in den Boxen entstanden. Die Arbeit mit den Kindern im Museum und in ihrer Lebenswelt, der Schule, hat zu einem sehr intensiven Austausch geführt. Das Projekt wurde anders wahrgenommen, als ein Ausflug  in das Museum während der Unterrichtszeit als Ergänzung zum Lehrplan. Die Arbeit an der MuseobilBOX hat ganz handlungsorientiert, aktiv und spielerisch den Bezug zwischen der eigenen Lebens- und Sinnenwelt und dem Museum hergestellt. Wir sind schon auf die kommenden Sinne gespannt. In ein paar Wochen geht es weiter!

Andrea Imig