Ein Schulausflug stand auf dem Programm. 13 unternehmungslustige Grundschülerinnen aus Gummersbach warteten gespannt auf meine Kollegin Eva Lobstädt, die die Kinder mit auf „eine Reise zur indischen Kultur“ nehmen wollte. Vom begleitenden Lehrer erfuhr ich, dass die Schule in diesem Schuljahr einen Museumsschwerpunkt gesetzt hat. Insgesamt sind für die 70 Kinder vier Museumsbesuche vorgesehen, natürlich alle gebucht über den Museumsdienst. Die Mädchen und Jungen erzählten mir, dass sie schon im Römisch-Germanischen Museum gewesen seien und dort ein römisches Kinderspiel kennengelernt hätten.

Rautenstrauch-Joest-Museum - Durga-Altar
Rautenstrauch-Joest-Museum – Durga-Altar (Foto: RBA Köln)

 

Aber jetzt ging es los. Mit offenen Mündern bestaunten unsere Gäste die schön inszenierten Objekte beim Gang durch die Museumsräume. Eine goldene Wand mit Sehschlitzen war das erste Ziel unserer Expedition zur indischen Kultur, und aufgeregt berichteten die Kinder beim Auswertungsgespräch über ihre Entdeckungen: bunte Gewänder, Palmen, fremdartige Dinge, geschminkte alte Männer … Frau Lobstädt musste viele Fragen beantworten. Das Staunen steigerte sich noch, als die Gruppe vor dem Durga-Altar Platz nahm. Vor lauter Flitter aus Gold, Perlen, Glitzersteinen und grell bunten Figuren überschlugen sich die Stellungnahmen der Kinder förmlich!

Es dauerte eine ganze Weile, bis meine Kollegin alle auf die Hauptfigur konzentriert hatte. Das war eine schöne Frauenfigur mit zehn Armen. In jeder Hand hielt sie seltsame Dinge. Begleitet wurde sie durch einen Löwen und einen toten Büffel. Am meisten faszinierte der Mann mit einem türkisfarbenen Gesicht direkt neben der Frauenfigur.

Auf das alles konnten sich die Kinder keinen Reim machen und deshalb waren alle gespannt auf die Geschichte der Durga. Zu ihr gibt es eine Legende, die alle Inder mit hinduistischem Glauben kennen. Im Götterhimmel gab es einen Dämon in Gestalt eines Büffels. Dieser schmeichelte sich bei einem großen Gott ein, der ihm versprach, dass ihn kein Mann töten könne. Jetzt war die Not groß, denn der Büffel war sehr böse. Da kam Gott Shiva auf die Idee, seine schöne Frau Durga ganz stark zu machen. Alle großen Götter gaben Durga für ihren Kampf mit dem Büffel ihre stärksten Waffen mit. Es war ein langer und schwieriger Kampf, aber schließlich tötete Durga den Dämon. Aber das war nicht das Ende der Geschichte, denn aus dem toten Körper des Büffels entstand ein neues böses Wesen, ein Prinz mit einem türkisfarbenen Gesicht. Dieser Prinz ist neben Durga auf dem Altar zu sehen.

Abb 2 Durga
Ein indischer Miniaturaltar (Foto: Karin Rottmann, Museumsdienst Köln)

 

Das war eine spannende Geschichte, und ich war einigermaßen erstaunt, dass ein Junge sehr klug auf die folgende Frage beantworten konnte: „Warum hat Durga den bösen Prinzen nicht auch noch umgebracht?“ „Na, weil aus dem toten Prinzen wieder etwas Böses wachsen würde!“ Das Böse in unserer Welt ist halt nicht zu besiegen, so die Quintessenz.

Nun blieb noch die Frage zu beantworten, woher der Altar mit der Göttin Durga wohl kommt? „Aus Indien!“, kam es wie aus einem Mund. „Falsch!“ War die schmunzelnde Antwort meiner Kollegin: „Aus Köln! Das Museum hat den prächtigen Altar von der hinduistischen Gemeinde geschenkt bekommen.“ In Köln sind eben viele Kulturen zu Hause.

Jetzt ging es in die Werkstatt und jedes Kind konnte das Erlebte in einer kleinen Gestaltungsaufgabe verarbeiten. Es entstanden bunte Klappaltärchen mit der Göttin Durga. Unser Vorrat an Glitzersteinchen hat sehr gelitten.

Abb 3 Durga
Ergebnisse in Serie (Foto: Karin Rottmann, Köln)

 

Wer für seinen Grundschulklasse den zweistündigen Workshop buchen möchte, kann das hier tun.

Karin Rottmann