Im Frühling wird ein ganz innovatives Ausstellungsformat in der Vermittlungsarbeit an Museen starten. Die Möglichkeit dazu gibt die kommende Ausstellung „Republik der Kinder“ im Wallraf-Richartz-Museum. Anja Sevcik leitet dort die Abteilung zur Barockmalerei und hatte die Idee, eine Ausstellung für Kinder zusammen zu stellen. Dabei will sie zu jedem Teilaspekt der Ausstellung einen Bilderrahmen freihalten, in dem dann ein Werk aus Kinderhand ausgestellt wird.

Daher schreibt sie in der Ausstellungsankündigung: „Einmal auf Augenhöhe mit Meistern wie Rembrandt zu sein, davon träumen viele Menschen. Kunstbegeisterten Kindern erfüllt das Wallraf nun diesen Wunsch. In seiner Sammlungspräsentation „Republik der Kinder“ hängt das Museum barocke Meisterwerke deutlich niedriger als sonst und zeigt dazwischen auch Bilder von jungen Künstlern, die sich von der Schaulust und Erzählfreude der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts haben inspirieren lassen. Eine Epoche, in der in Holland die Kinder und ihre Erziehung eine außergewöhnliche Bedeutung besaßen. Die Familie galt als Kern und Garant der wohlhabenden Gesellschaft, und Bildung war eine wichtige Voraussetzung für das wirtschaftliche Wachstum. Diese Auffassung spiegelt sich auch deutlich in der damaligen Kunst wider. Wie die neue Präsentation in der Barockabteilung des Wallraf zeigt, spielen Kinder in vielen Gemälden eine wichtige Rolle – entweder als Hauptdarsteller in Porträts oder in zahlreichen Nebenrollen bei Genre- und Landschaftsmalereien – eine Republik der Kinder eben“.

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Dirk van Delen: Architekturstück mit Rückkehr des verlorenen Sohnes, 1649,  Wallraf-Richartz-Museum (Foto: RBA Köln)

Zusammen mit meiner Kollegin Stephanie Sonntag habe ich die Idee freudig aufgenommen und zusammen mit mehreren Projektklassen einzelne Werke bearbeitet. Den Auftakt machte gestern eine Klasse 5 des Heinrich-Mann-Gymnasiums zum Thema „Traumpaläste“. In der Ausstellung wird Dirk van Delens „Rückkehr des verlorenen Sohnes“ eine wichtige Rolle spielen. Bruno Walser, der die Klasse als Kunstlehrer betreut, hatte den Museumsbesuch vorbereitet und Architekturelemente spielerisch vorgestellt. Deshalb war es kein Wunder, dass die 29 Schülerinnen und Schüler wie aus der Pistole Fachbegriffe nennen konnten. Auf die Frage, wie denn ihr Traumpalast aussehen müsste, antworteten sie, dass natürlich Säulen, Wappen, Dekor, Skulpturen, Bogengänge etc. dringend erforderlich seien.

Besonders aufregend für die Kinder war, dass das Gemälde gar nicht an der Wand hing, sondern für das Projekt eigens aus dem Depot geholt wurde und auf einem Wagen in den Ausstellungssaal geschoben wurde. Fachmännisch begutachteten unsere Gäste die Architekturansicht. Van Delen war Spezialist, was den Kinder sofort klar wurde. Wir suchten im Museumssaal noch weitere Spezialisten und fanden erstklassige Blumen- und Landschaftsmaler. So langsam kamen Bedenken auf, ob die Klasse so gut Architektur malen könne. Aber ich hatte versprochen, ihnen einige Tricks zu verraten und packte das vorbereitete Material für „Traumpaläste“ aus.

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Bauelemente, die auf dem Zeichenbogen arrangiert werden können (Foto: Karin Rottmann, Museumsdienst Köln)

Einige Schülerinnen und Schüler legten nun aus den Architekturelementen verschiedene Bilder, was offensichtlich viel Freude machte. Wir kamen noch einmal auf den Spezialisten Dirk van Delen zu sprechen. Ein paar Beispiele konnte ich als Kopien zeigen. Sehr klug stellten die Kinder fest, dass man seine Werke sofort erkennen könne, und zwar nicht nur an Säulen und Bögen, sondern auch am Himmel. Schließlich entdeckten die jungen Forscher verschiedene Menschengruppen im Bild: im Vordergrund groß, im Mittelgrund mittelgroß und im Hintergrund klein.

Die Bemerkung, eines Jungen, Dirk van Delen sei auch ein „Spezialist für Menschbilder“, gab uns die Gelegenheit, über Spezialistentum zu sprechen, denn die ältere Kunst kennt in den Werkstätten ja Malaufgaben für die verschiedensten Experten. Das war bei unserem Werk wohl auch der Fall. Was es nun mit Figuren auf sich hatte, war nicht so leicht herauszubekommen. Erst der Bildtitel gab einen wichtigen Hinweis. Es handelte sich um die biblische Geschichte von der Rückkehr des verlorenen Sohnes.

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Ideenfindung für Geschichten, die im Bild stattfinden könnten (Foto: Karin Rottmann, Museumsdienst Köln)

Im nächsten Schritt sollten die Kinder selbst eine schöne Geschichte finden, die in ihrem „Traumpalast“ stattfinden könnte. Dazu wurden Themenkarten, wie „Schlaraffenland“, „Zauberschloss“ etc. vorgelegt. Aus einer Sammlung von Collageelemente suchten die Arbeitsgruppen Figuren, Tiere und Dinge aus, die in ihrer Bildgeschichte vorkommen sollten. Soweit der Projektteil zum Museumbesuch der Klasse. Die Geschichten werden nun im Kunstunterricht weitergesponnen. Wir sind gespannt, welche Ideen dabei herauskommen und welches „Kindergemälde“ schließlich seinen Platz in der Ausstellung finden wird.

Karin Rottmann