Zeynep und Mehmet sind neun Jahre alt. Zusammen mit elf gleichaltrigen Klassenkameraden und Kameradinnen haben sie an der Fortsetzung des Programms „Herkunftssprachlicher Unterricht in Kölner Museen“ teilgenommen. Das Programm, das durch eine Kooperation des Museumsdiensts mit dem ZMI-Zentrum für Mehrsprachigkeit und Integration entstanden ist, stellt seit 2010 Kindern, Eltern und Lehrkräften die Kölner Museen vor.

Nachdem Mehmet, Zeynep und die anderen zahlreiche Museumsobjekte aus dem türkischen Kulturraum kennengelernt hatten, forschten sie selbst über die Herkunftskultur ihrer Familien. Im Unterricht bereiteten sie Fragestellungen vor, mit deren Hilfe sie in den Sommerferien in der Türkei recherchierten. Die Kinder kamen mit viel Bildmaterial und Geschichten zurück. In der Schule wurde dann alles gesichtet und ausgewertet, es wurden kurze Erzählungen und Sachtexte geschrieben. Als krönender Abschluss entstand daraus die kleine zweisprachige Ausstellung, deren Eröffnung nun unmittelbar bevorstand. Die Besucher/Innen sammelten sich. Viele Familien – türkische und deutsche – waren gekommen, viele Verwandte und Freunde, Lehrerinnen und Lehrer. Und so spiegelte schon die kulturelle Vielfalt der Besuchergruppen die Botschaft der Ausstellung wider.

Dieser Botschaft nahm sich Dr. Matthias Hamann in seiner Rede an: „Dieses Museum soll ein Ort des interkulturellen Dialogs sein! Es gibt uns die Möglichkeit mithilfe der Ausstellungsobjekte eine Diskussion über kulturelle Vielfalt anzuregen und immer wieder zu befeuern.“ Auch der türkische Generalkonsul Herr Emre Engin betonte die Notwendigkeit des kulturellen Zusammenhalts in seiner Rede: „Die Schülerinnen und Schüler, die diese Ausstellung vorbereitet haben, tragen zwei Kulturen in sich. Wir sollten darauf achten, dass keine der beiden Kulturen in ihnen und den vielen deutsch-türkischen Familien verloren geht.“

Dann waren die Kinder an der Reihe. Und sie meisterten ihre Aufgabe bravourös– Zeynep auf Türkisch und Mehmet auf Deutsch. Wie kleine Generalkonsuln standen sie vor ihrem Publikum, erzählten von ihrem Stolz zwei Muttersprachen zu besitzen, von der Entwicklung ihres Projekts und ihrer Freude und Dankbarkeit all das im JuniorMuseum präsentieren zu können.  Angesteckt vom Enthusiasmus der Kinder strömten die Gäste alsdann in den eigentlichen Ausstellungsraum. Stolze Schülerinnen und Schüler standen dort vor ihren Werken, um sie gleich zweisprachig zu vermitteln. Allenthalben sah man lachende und aufgeregte Gesichter. Und in der ausgelassenen Stimmung nahmen der Konsul und Matthias Hamann sich für jedes Kind einzeln Zeit, um ihre Geschichten zu hören und ihre Werke zu betrachten.

Nach einer Stunde war das Ganze dann auch schon wieder vorüber – am nächsten Morgen wartete ja der Schulunterricht. Doch die Nachhaltigkeit des Projekts verspricht uns bereits eine neue Ausstellung im nächsten Jahr. Eins steht aber fest: Mit „Meine Familie – meine Geschichte“ wurde die Messlatte bereits sehr hoch gelegt.

Die Ausstellung ist noch bis zum 31.12.2016 im JuniorMuseum zu sehen.

Morten Bierganns