Reges Treiben herrscht vor den Ständen der diesjährigen Aussteller auf der COFA. Überall sieht man begeisterte Blicke und hört angeregte Unterhaltungen. Hier ist für alle etwas zu entdecken. Und auch wir stehen staunend vor der Vielfalt der Werke, vor den zahllosen Skulpturen, den Gemälden und Keramiken, den Photographien und den Automobilen. Es ist ein Labyrinth der Schönheit, durch welches unsere Fine Art Tourguides zu navigieren wissen. Wer sich ihnen anschließt, kann die Welt der Künste einmal anders erleben.

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Impressionen bei den Art Tours (Foto: Museumsdienst Köln)

„Unglaublich“ tönt es gleich zu Beginn unserer Führung. Wir befinden uns vor den „Werkhallen Obermann“, gleich neben einem Bentley alter Schule. Doch die Begeisterung gilt nicht eigentlich dem Bentley, sondern Jochen Heins Portraitmalereien. Diese offenbaren sich erst auf den dritten Blick als Produkt von Öl und Pinsel. Heins Hyperrealismus hält viele zum Narren. Jede Haarsträhne und jede Falte scheinen dem Bild zu entspringen. Aus den Augen blickt uns das Leben intensiv an. Wie bloß entsteht diese Intensität? Die Kunsthistorikerin Dr. Bianca Berding klärt uns auf: „Hein fokussiert das Wesentliche. Deshalb sehen wir nur Gesicht und Hände. Die Kleidung spielt keine Rolle, denn sie lenkt den Blick weg von der Intensität des Wesentlichen.“

Wer sich von Heins Gemälden losreißen kann, auf den wartet gleich um die Ecke ein neues Highlight. In der „Galerie Hirschmann“ tauchen wir ein in fremde Welten. Hier wird originaler Federschmuck, hergestellt von Indianern im Amazonasgebiet, ausgestellt. Alle Stücke dienten rituellen oder symbolischen Zwecken. Ein federner Brustschild sollte zum Beispiel einen gefahrlosen Weg nach vorn ermöglichen. Eine lange Feder, die auf dem Rücken getragen wurde, sollte den Rückweg sichern. Erstaunlich ist, dass die Leuchtkraft der Federn trotz ihres Alters völlig unberührt zu sein scheint. Den Grund dafür erfahren wir von Dr. Berding: „Die Federn wurden früher aufwendigen Reinigungsabläufen unterzogen. Nachdem man sie der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt hatte, um Milben und ähnliches abzutöten, wurde ihre Farbe durch eine spezielle Fettbehandlung wieder zum Leuchten gebracht.“

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Impressionen bei den Art Tours (Foto: Museumsdienst Köln)

Nachdem wir anschließend bei „Basedau“ alte Spazierstock-Raritäten bestaunen konnten, tauchen wir gänzlich in die Welt der Nostalgie ein. Denn die diesjährige COFA bietet drei Sonderschauen, von denen sich eine – „Style Icons“ genannt – den Legenden des Automobils widmet. Bugatti, Citroen und Voisin streiten hier um die Wette. Blickfänger sind sie alle und der ein oder andere mochte sich vielleicht Charlie Chaplin vorgestellt haben, wie er sich, mit Spazierstock ausgestattet, in einen der Wagen schwingt.

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Impressionen bei den Art Tours (Foto: Museumsdienst Köln)

Doch damit nicht genug. Ganz ungewöhnliche Ansichten finden wir in der „Galerie Haas“. Hier sprießt eine blühende Keramik-Narzisse aus verunreinigtem Boden. Industrieabfälle, Knochen, Geld und Gabeln „schmücken“ ihn. Wir sind sogleich an das Memento mori erinnert, an die Sterblichkeit alles Lebendigen. Der morbide Boden nährt hier das Leben und höhlt es aus, bis es nur noch schöner Schein ist. Gleich neben den Blumen begegnen wir noch einem ungewöhnlichen Duo, das wir ohne den Hinweis unserer Führerin wohl übersehen hätten. Es handelt sich um das Stillleben zweier Kartoffeln. Ihr bescheidenes Auftreten lässt uns, unsere ästhetischen Kategorien einmal mehr hinterfragend, erneut im Labyrinth der Schönheit zurück. Doch dieses Mal mit vielen in der Führung entstandenen Inspirationen und Anregungen.

Die COFA läuft nach bis Sonntag, 22. November. Weitere Infos zu den Fine Art Tours finden Sie hier.

Morten Bierganns