Kreativ-Kurse für Kinder in den Ferien oder am Wochenende ermöglichen den Eltern einen ungestörten Ausstellungsbesuch – oder eine entspannte Shoppingtour. Aber: In Zeiten, in denen Eltern ihre Kinder häufig 45 Stunden pro Woche betreuen lassen (müssen), besteht ein großes Bedürfnis nach gemeinsamer Freizeit: Quality Time – ein Begriff, der bereits in den 1970er Jahren im gesellschaftlichen Diskurs über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf entstanden ist. Quality Time dient der Festigung der Beziehung der einzelnen Familienmitglieder untereinander dient. Eine Zeit also, die Alltagsstress und -zwänge Kinder wieder auszugleichen vermag. In Familien-Ratgebern wird empfohlen, diese Zeit aktiv mit gemeinsamen Spielen, Spaziergängen oder dem Zubereiten einer gemeinsamen Mahlzeit zu nutzen.

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBF) ergänzt die Quality Time im Mai 2009: „Reine Haushaltstätigkeiten oder Hobbys, bei denen andere Familienmitglieder auch anwesend sind, zählen hingegen nicht dazu. Für uns bemisst sich Zeitwohlstand in bewusster Interaktion, Fürsorge und Zuwendung mit dem Ergebnis von Wohlbefinden.“ Das Museum als Ort für Quality Time findet sich in den Empfehlungen des Ministeriums bisher nicht. Wir haben es aber versucht. Während der Sonderausstellung „LOOK! Modedesigner von A bis Z“ im MAKK (Museum für Angewandte Kunst Köln) gibt es einen Familienworkshop: Mamma mia – ein Mutter-Tochter-Event. Das liegt natürlich am Thema der Sonderausstellung.

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Inspiration beim Ausstellungsrundgang (Foto: Andrea Imig, Museumsdienst Köln)

An diesen Sonntagnachmittagen geht es darum, die Ausstellung zusammen zu entdecken und zu erleben. Modeentwürfe der letzten 50 Jahre sorgen zunächst für reichlich Gesprächsstoff. Die Kursleiterin Nicole Dorweiler ergänzt die Entwürfe mit Stoffproben zum Anfassen und praktischem Wissen über die Nähkunst.

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Auf dem Weg in die Werkstatt (Foto: Andrea Imig, Museumsdienst Köln)

Nach einem kurzen Rundgang in der Ausstellung stellt sie den Besucherinnen das Handwerkszeug eines Schneiders und Designers vor: Nähkreiden, Fingerhüte, Schnittmuster, Auftrenner, Einfädelhilfen. Seitdem es keine klassische Textilgestaltung mehr an Schulen gibt, haben viele Kinder zum ersten Mal Nadel und Faden in der Hand. Viele Mütter im Übrigen auch. Aber hier kann Nicole Dorweiler in den kleinen Gruppe schnell Hilfestellung leisten: viele tolle Accessoires, die die eigene Garderobe aufhübschen, sind in den ersten Kursen bereits entstanden. Stoffketten und Stoff-Blumen, sogenannte JoJos, die an Anstecknadeln oder an Haarklipsen befestigt werden.

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Ausgangsbasis (Foto: Andrea Imig, Museumsdienst Köln)
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Kreatives Miteinander (Foto: Andrea Imig, Museumsdienst Köln)

Die Damen konnten zwei Stunden lang aktiv und kreativ Zeit miteinander zu verbringen. Und dank der gemeinsam entworfenen Schmuckobjekte werden sie sich noch lange an einen schönen Nachmittag erinnern.

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Fertig! (Foto: Andrea Imig, Museumsdienst Köln)

Andrea Imig