Ausstellung "Boro - Stoffe des Lebens" (Laufzeit: 09.05.2015 - 02.08.2015)
Ausstellung „Boro – Stoffe des Lebens“ (Foto: Museum)

Die Landbevölkerung in Japan hat früher aus Mangel an Ressourcen bereits getragene Kleidung wieder verwendet, indem sie aus Stoffresten neue Textilien nähte und immer wieder mit Flicken ausbesserte. Häufig wurden die Kleidungsstücke mit Indigo gefärbt, was einen an Jeans erinnernden Blauton ergibt. Auch in Europa wurde es üblich Stoffe blau zu färben. Da der Blauton erst beim Lufttrocknen erscheint und meist am Wochenende gefärbt wurde, bekamen die Kleidungsstücke am Montag den Blauton. Man machte montags blau.

Dies und vieles mehr aus der Welt der Textilien erfuhr vergangenen Donnerstag eine Klasse des Berufskollegs Humboldtstraße bei ihrem Besuch in der Ausstellung Boro – Stoffe des Lebens im Museum für Ostasiatische Kunst. Die 20 Schülerinnen und Schüler machen einen Abschluss als bekleidungstechnische Assistenten und werden im nächsten Halbjahr ein Projekt in Zusammenarbeit mit dem Museumsdienst durchführen. Dabei setzen sie sich intensiv mit japanischer Boro– Kleidung auseinander um davon inspiriert selbst Kleidungsstücke zu entwerfen und zu schneidern.

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Berufskolleg Humboldtstraße zu Gast im MOK (Foto: Leila Weltersbach)

Caroline Stegmann-Rennert, die das Projekt von unserer Seite aus betreut, wies auch auf ein zentrales Thema der Boro hin. Die Textilien aus Japan wurden aus getragener Kleidung hergestellt und über die Jahrzehnte immer wieder repariert und weiter verwendet. Heute ist der Gedanke des Re- oder Upcyclings bei vielen Menschen nicht mehr präsent. Dabei kann man zum Beispiel gebrauchte Jeans sehr gut weiter verwerten. Das fanden auch die Schüler/-innen, die sich tagtäglich mit dem Thema Kleidung auseinander setzen.

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Berufskolleg Humboldtstraße zu Gast im MOK (Foto: Leila Weltersbach)

Als eine der Schülerinnen einen klassischen Seidenkimono anprobieren durfte, war die ganze Klasse hellauf begeistert, und sofort ging die Frage an die Lehrerin, ob man nicht selbst mal klassische Kimono im Unterricht nähen könne.  Die Fantasie war angeregt und alle diskutierten eifrig über die Verarbeitung der Stoffe und  die schönen Blumenstickereien.

Leila Weltersbach