Wir alle freuten uns auf unser erstes Treffen im Wallraf-Richartz-Museum. 13 Schülerinnen und Schüler der Sprachintegrationsklasse des Heinrich-Mann-Gymnasiums begaben sich auf eine Forschungsreise in die Welt des Museums. Heute erkundeten wir einige Meisterwerke des Barocks mit einer ungewöhnlichen Methode. In der Museumspädagogik heißt das Verfahren „“Der Chinesische Korb“ und wurde erstmals von der Kulturpädagogin Heiderose Hildebrand im Museum Moderner Kunst in Wien 1985 eingesetzt. Es ist ein assoziatives Rezeptionsverfahren. In einem Korb oder einer Tasche sind ca. 15-20 Gegenstände versammelt, die den Museumsbesucher inspirieren sollen, Kunstwerke in Beziehung zu setzen.

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Mit der Schnick-Schnack-Tasche unterwegs (Foto: Museumsdienst Köln)

Seit Jahren bin ich nun auf der Suche nach einem Behältnis, der den „Chinesischen Korb“ repräsentieren könnte. Eine Mitarbeiterin schenkte mir eine wunderschöne Tasche, die leicht zu transportieren ist und den wunderbaren Aufdruck „Schnick-Schnack“ hat. Wir fanden, dass wir in Köln nun fortan die oben beschriebene Methode mit der Schnick-Schnack-Tasche einsetzen, denn Schnick-Schnack ist ein schönes Wort für all die Dinge, die zur Bildersuche eingesetzt werden. Vier Gruppen bildeten sich und mit verzweifelter Verwunderung begaben sich die Arbeitsgruppen mit einem Schwamm, einer Plüschmaus, einer künstlichen Tulpe und einem Kunstapfel auf die Suche nach „passender“ Kunst. Wir bemerkten, dass die Dinge nicht direkt in den Bildern zu finden waren. Man musste „um die Ecke“ denken.

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Mit der Schnick-Schnack-Tasche unterwegs (Foto: Museumsdienst Köln)

Der Mädchengruppe fiel es zunächst schwer, den quietschgrünen Schwamm den kostbaren Ölgemälden zuzuordnen. Verzweifelt wollten sie schon fragen, ob man den Gegenstand „umtauschen“ könnte. Ein kleiner Tipp brachte die Mädchen auf eine interessante Spur: „An welchen Orten gebraucht man Schwämme?“ Spülschwämme braucht man beispielsweise in der Küche, war die Antwort. In einem der Säle auf der 2. Etage des Museums gab es Küchenstilleben. Das sahen die Mädchen natürlich sofort. Aber ich merkte, dass sie sich doch nicht gerne von mir helfen lassen wollten. Sie gingen weiter auf die Suche und fanden ein noch viel besseres Kunstwerk und das war ganz alleine gefunden worden: In Pieter de Hoochs „Ein Paar mit einem Papagei“ stand im halbdunklen Vordergrund ein Eimer mit einem Schrubber und einem Putzlappen. Da stimmte jeder zu, dass der Schwamm zugeordnet werden konnte.

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Mit der Schnick-Schnack-Tasche unterwegs (Foto: Museumsdienst Köln)

Bei der Präsentation stellte sich jedoch heraus, dass eine Teilnehmerin den Schwamm auch diesem Bild zugeordnet hätte, jedoch nicht wegen der Putzutensilien im Vordergrund, weil sie diese gar nicht sofort entdeckt hatte. Die kostbar gekleidete Dame im Bild streicht mit der Hand über ihr Trinkglas. Und da kam natürlich die Idee auf, dass das Glas vielleicht schmutzig sei. Es kam dann noch eine interessante Diskussion zum Bild auf. Der Mann im Bild wirkte auf die Mädchengruppe wie ein Pirat, weil Johnny Depp auch solche Kleider in seinem Film „Pirates of the Caribbean“ trug. Das gab Gelegenheit zu erklären, dass die Menschen vor 400 Jahren derartige Kleidung trugen. Nachdem wir die Symbolsprache des Bildes etwas entschlüsselt hatten, stellten wir zum Schluss fest, dass der Mann vielleicht doch ein Pirat war, denn er war auf der Jagd nach dieser schönen Frau.

Karin Rottmann