Museumsgrafitti
„Museumsgraffiti“ (Foto: Karin Rottmann, Museumsdienst Köln)

Über diese Methode haben wir an dieser Stelle bereits öfters berichtet. Am Montag dieser Woche beschäftigten sich die freiberuflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einer Fortbildung im Museum Ludwig mit der spektakulären Arbeitsweise.

Wie alles begann

Im Rahmen eines Workshops über urban knitting und andere Guerillamethoden im Stadtraum entstand für mich die Frage, ob diese Ideen auch für Museumsräume interessant wären. Im Workshop häkelte ich eine kleine wilde Stoffpuppe, die mich plötzlich an den kleinen wilden Mann im Museum Schnütgen erinnerte. Was wäre, wenn diese kleine wollige Puppe im Museum in der Nähe des Kunstwerkes säße? Es war faszinierend zu sehen, dass die beiden „wilden“ Geschöpfe im Museum in einen Dialog traten. Leserinnen und Leser des Blogs wissen, was dann geschah. Eine ganze Grundschule beteiligte sich am Projekt „Das wilde Museum“ und gestaltete im Kunst- und Textilunterricht „wilde Puppen“, die zu einem großen Schulfest im Museum Schnütgen den Museumsraum bevölkerten. Die Guerillamethoden ließen mich jedoch nicht los und ich kam auf den Gedanken, die Methode der Graffitis für die Museumspädagogik zu entwickeln. Natürlich sind Sprühflaschen tabu. Gehäkelte Schnüre sind jedoch ein softes Medium. Mit Schnüren kann man Wörter auf den Boden legen. Die ersten Fortbildungen mit dem Museumsgraffiti zeigten, dass die beteiligten Teilnehmer regelrecht fasziniert waren.

Museumsgraffiti – wie geht das?

Die Methode eignet sich besonders gut für Gruppenarbeit. Es wird die Aufgabe gestellt, entweder ein Wort für den Ort, ein Wort für ein Kunstwerk oder ein Wort zwischen zwei Kunstwerke zu legen. Die einzelnen Gruppen schauen sich zunächst in Ruhe den Museumsraum an und entscheiden dann gemeinsam, welches Wort geschrieben werden soll. Dann wählen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Schnüre aus. Mittlerweile ist das Angebot unterschiedlicher Farben und Materialien sehr groß und es beginnt eine manchmal schwierige Phase des Gestaltens. Das Plenum enträtselt dann die Wörter und spekuliert über die Gedankengänge, die zum Wort geführt haben. Die Gruppe selbst erklärt zum Schluss ihr Vorgehen.

Was ist das Besondere am Museumsgraffiti?

Die mit der Methode beteiligten Museumsbesucher finden eigenständig ihre Themen, diskutieren untereinander, die Gesamtgruppe kommuniziert symmetrisch. Die Methode thematisiert dem Museumsraum und die Hängung, weil die Wörter eine Resonanz auf den Ort darstellen. Die beteiligten Besucherinnen und Besucher gestalten sogar den Museumsraum, die Wörter sind ein sichtbarer Kommentar. Museumsgraffitis sind subversiv und eröffnen auch für unbeteiligte Besucher und Museumsleute neue Betrachtungsperspektiven.

Museumsgrafitti 5
Museumsgraffiti im Museum Ludwig (Foto: KArin Rottmann, Museumsdienst Köln)

Wir legten unsere Graffitis in der Sammlung Haubrich des Museum Ludwig. Natürlich sind die Kolleginnen und Kollegen alle mit den Kunstwerken vertraut, und es wurden unabhängig von den anderen Gruppen Wörter ausgewählt, die das Thema Nacktheit und Sexualität thematisierten. Wir stellten alle fest, dass die Hängung des Saales diesen Schwerpunkt zum Ausdruck bringt. Die Thematik brennt uns natürlich auch unter den Nägeln, denn die vielen Schulklassen, die durch den Expressionismus von uns begleitet werden, werden von den Inhalten tangiert.

Karin Rottmann