In unserer Fortbildungsreihe „Museumslabor“ experimentieren wir mit neuen Wegen in der Vermittlung. Das mehrstündige Format bietet neben dem inhaltlichen Input viel Zeit für die Praxis. In diesem Halbjahr haben wir im Museum für Angewandte Kunst die Ausstellung „Typisch deutsch?“ mit Arbeiten von Rolf Sachs ausgewählt.

14 Damen und Herren hatten sich angemeldet und hingen im ersten Teil der Veranstaltung meiner Kollegin Romana Breuer an den Lippen, die sehr viel über den Künstler und seine Werke zu berichten hatte und erste Beobachtungen zum Verhalten des Publikums referierte. Die Besucher diskutierten angeregt über typisch deutsche Eigenschaften. Deutsche und nichtdeutsche Besucher haben da jeweils ganz spezielle Ansichten, und auch bei unseren Schülergruppen wurden immer wieder Charaktereigenschaften im Kontext verschiedener kultureller Hintergründe thematisiert.

Im Museumslabor stand natürlich das für die Ausstellung zusammengestellte „Methodenpaket“ zur Verfügung. Die Kolleginnen und Kollegen konnten nach Lust und Laune Aufgaben auswählen, ausprobieren und diskutieren. In der Werkstatt stellten wir erstmals die Aufgabe, ein Moodboard zu nutzen. Das Moodboard – englisch mood: „Stimmung“, board: „Tafel“ – ist ein wichtiges Arbeits- und Präsentationsmittel in Kommunikations- und Designberufen. Über Collage, Zeichung, Wörter und Texte konnte ein „Bild“ für das typisch Deutsche erarbeitet werden.

Die Arbeitsergebnisse zeigen, wie verschieden die Zugangsfornen sind. Im bereit gestellten Collagematerial suchten viele nach Symbolen wie den röhrenden Hirschen, dem Räderwerk, dem Auto … Diese Ausgangsimpulse wurden über Assoziationen weiterentwickelt: Ein Bücherturm wurde mit neuen Titeln beschriftet, eine rote Zipfelmütze wurde zu einem Gartenzwerg, dessen Körperteile mit verschiedenen Texten beschrieben wurden.

Jedenfalls fanden die Kolleginnen und Kollegen in Ausstellung und Aufgabenstellung großes Potential für eine Auseinandersetzung mit dem Deutschsein. Moodboards sind sicherlich auch im Zusammenhang mit anderen Schulthemen in verschiedenen Museen von großem Interesse, denn ihre Offenheit bietet tolle Chancen, um Ideen zu entwickeln.

Karin Rottmann