„Heute bin ich…“ – so lautete die Lehrerfortbildung im Museum Ludwig, die Karin Rottmann und Angelika von Tomaszewski letzten Dienstag durchführten. Die Fortbildung hatte das Ziel, Grundschulpädagoginnen und -pädagogen ein neues Schülerwerkstattprogramm im Museum Ludwig vorzustellen. Das preisgekrönte Bilderbuch „Heute bin ich“ der bekannten niederländischen Illustratorin Mies van Hout wurde zur Ausgangsidee für einen Museumsrundgang. Näheres zu diesem wirklich hinreißenden Buch findet sich hier.

Zu Beginn versammelten sich die 23 Teilnehmerinnen in der Werkstatt des Museums. Hier erfolgte eine Einführung von Frau Rottmann in das Thema „Kreatives Lernen“ und „Lernen im Raum Museum“, sowie die Vorstellung des Bilderbuches „Heute bin ich“. In Interaktion mit den Teilnehmern wurde das Buch besprochen und mit den Erfahrungen der Lehrerinnen zum Thema „Lernen“ verknüpft.

Wir beschäftigten uns mit der Frage, inwieweit man Kreatives Lernen sinnvoll einsetzen und umsetzen kann, und wie es gelingt, die Kinder aktiv mit einzubinden. Hier auch wieder ein Verweis zur Lernumgebung Museum, in dem die Kinder aus ihrer alltäglichen schulischen Lernumgebung herausgenommen werden und in einem neuen, stimulierenden Umfeld die Möglichkeit haben, sich mit ausgewählten Themen zu beschäftigen und diese einmal ganz anders wahrzunehmen.

Unserer Fortbildung stand unter dem das Thema „Gefühle“ in Bild und Wort. Das Bilderbuch von Mies van Hout ist ein hervorragender Anlass, sich mit der Thematik zu beschäftigen. Auf jeder zweiten Seite des Buches findet man einen Fisch, der von einer Künstlerin mit Ölkreide gestaltet wurde und eine bestimme Emotion ausdrückt. So gibt es mutige, erstaunte, zornige oder traurige Fische. Das Bild wird jeweils mit dem entsprechenden Adjektiv auf der gegenüber liegenden Seite konfrontiert.

Sinnvoll (aber nicht notwendig) ist natürlich eine Vorbereitung des Museumsbesuchs in der Schule. Im Deutschunterrricht ab der 2. Klasse werden Adjektive als Wortart eingeführt, und das Bilderbuch gibt Gelegenheit, sich mit den vielen Eigenschaften der Fische sehr sinnlich auseinanderzusetzen und den Wortschatz zu erweitern. Im Museum kann die Vorarbeit der Schule genutzt werden, um Bildfiguren zu charakterisieren.

Folglich sind wir mit unserer Lehrergruppe selbst ins Museum gegangen, um herauszufinden, was genau man mit den Schülern machen kann. Sehr gut eignete sich das Werk „Maskerade“ von Karl Hofer

Hofer Maskerade
Carl Hofer: Maskerade, 1922, Köln, Museum Ludwig (Foto: RBA Köln)

Nun wurde eine Freiwillige gebeten, sich vor das Bild zu stellen, und Frau Rottmann passte die Haltung unseres „Versuchsmodells“ an die Figur des Bildes an. Es ging darum, die möglichst exakte Haltung und den gleichen Gesichtsausdruck und die Emotion nachzustellen und nachzuempfinden.

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Bildhauerspiel bei der Fortbildung „Heute bin ich“ (Foto: Museumsdienst Köln)

Nun wurde die Haltung aufgelöst und die Gruppe selbst gab durch Erklärungen Anweisungen, wie die Freiwillige sich wieder in die gleiche Position zurückversetzen sollte. Gar nicht so einfach – aber ein sehr schönes Gruppenspiel – fanden unsere Lehrerinnen.

Anschließend sammelten wir passende Adjektive zu den Clowns und legten sie auf dem Boden aus. Die Auseinandersetzung mit den Eigenschaften der Bildfiguren führte uns dann auch zur Interpretation des Gemäldes. Das Lebensgefühl der Dargestellten war nicht lustig, wie man es bei Clowns vermuten würde. Ihre wahren Gesichter waren traurig.

Nach der Auseinandersetzung mit Emotion in Bild und Wort vor Gemälden der Sammlung Haubrich im Museum Ludwig ging unsere Expedition weiter zu den monochromen Bildern von Yves Klein. Spontan wurde von der Gruppe Wasser und Himmel zu den Gemälden assoziiert. Dies wurde zum Anlass genommen, zwei Gruppen zu bilden und Himmels- und Wasserwesen aufzulisten. Jede Teilnehmerin bekam ein Zeichenblatt und sollte entsprechend ihrer Gruppe den Kopf einer Figur beginnen, die Zeichnung bis auf die Anschlussstellen abdecken und der Nachbarin weiterreichen. Die zeichnete dann das Mittelstück der Figur, deckte die Zeichnung erneut ab und gab das Blatt wieder weiter.

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Ergebnisse der Fortbildung „Heute bin ich“ (Foto: Museumsdienst Köln)

Auf diese Weise entstand dann eine witzige Figurenwelt, die in der Werkstatt des Museums entsprechend der Idee von Mies van Hout farbig mit Ölkreide auf stark farbigem Tonpapier umgesetzt wurde. Natürlich wurde zu jeder Zeichnung ein entsprechendes Adjektiv gefunden und unter die Fisch- oder den Vogelgestalt geschrieben.

Yasmin Samray