Die Teilnehmerinnen des Madonnen-Projekts trafen sich im Wallraf-Richartz-Museum, um sich Frauendarstellungen auf den Bildern alter Meister anzuschauen. Mittlerweile sind alle geübt im Erkennen von Attributen. So konnten sie feststellen, dass schon damals die Maler Frauenfiguren über bestimmte Hinweise in der Umgebung und über Attribute in einen größeren Zusammenhang eingebettet haben

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„Madonnen“ – Führung im Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud (Foto: Museumsdienst Köln)

In der Mittelalter-Abteilung des Museums gab es einiges zu entdecken: Stefan Lochners Madonna im Rosenhag  stellt Maria als Himmelskönigin im blauen Mantel und mit Krone und dem Jesuskind auf dem Schoß dar. Das kannte man ja jetzt schon. Aber es machte viel Spaß die weitere Symbolsprache zu enträtseln: den Apfel, der auf das Paradies von Adam und Eva verweist und die vielen Pflanzen, die Maria als reines und ideales Frauenbild vorstellen. Auch das Einhorn gehört zu den Attributen der Mutter Gottes. Stefan Lochner hat es jedoch gut versteckt und es dauerte eine Weile bis die Projektteilnehmerinnen das scheue mythische Wesen in der Brosche der heiligen Frau entdeckten. Sehr treffend stellten die Mädchen fest, dass die heiligen Damen des berühmten Kölner Malers alle ähnlich aussehen. Sie würden auch in unserer Zeit als schöne Frauen gelten. Allerdings, so meinten die jungen Frauen, hätte Lochner sie heute nicht nur blond gemalt. Er hätte bestimmt auch dunkelhaarige Vorbilder gefunden. Immer wieder findet sich das schöne Frauengesicht auf den Bildern Stefan Lochners. Einzig die Attribute sind verschieden und machen aus der schönen Kölnerin eine Barbara, Katharina oder gar die Mutter Gottes.

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„Madonnen“ – Ergebnisse (Foto: Museumsdienst Köln)

Im Lauf des Workshops beschäftigten wir uns aber auch noch mit anderen Frauengestalten. So trafen wir beispielsweise auf Venus, die schönste Frau im antiken Götterhimmel. Mit nackter Haut, Perlenkette und Spiegel vor gerafftem Vorhang ist sie in den Kunstwerken als sinnliche und eitle Frauengestalt charakterisiert. Oft steht ihr auch Amor zur Seite. In den Gesprächen wurde klar, wie sehr sie sich mit ihrem völlig anderen Wesen von den fast körperlos wirkenden mittelalterlichen Heiligen abhebt.

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„Madonnen“ – Ergebnisse (Foto: Museumsdienst Köln)

Mit einem geschärftem Blick für Zusammenhänge und Details ging es nach dem Museumsrundgang an die bildnerisch praktische Umsetzung der Eindrücke. Wie sehen sich unsere Teilnehmerinnen? Welche Frauenrolle nehmen sie für sich in Anspruch und mit welchen Attributen wollen sie ihre Selbstdarstellung versehen. Das war die spannende Aufgabenstellung für die kreative Gestaltung. Kristalle,  Nagellackfläschchen und andere überraschende, tiefsinnige oder witzige Elemente gaben die Impulse, über Aspekte des Frauseins in unserer Gesellschaft nachzudenken. Es entstanden eine Reihe von sehr persönlichen und berührenden „Selbstdarstellungen“ unserer Workshop-Teilnehmerinnen. Wenn dann vom 13. Juli bis 1. September im Museum Schnütgen unsere Protagonistinnen mit ihren großformatigen Fotoporträts als moderne Madonnen präsentiert werden, sollen die Setzkästen die Foto-Ausstellung noch um einen weiteren Aspekt ergänzen. Also: save the date!!!!

Anke von Heyl

„Madonnen“ wird gefördert durch die Rhein Energie Stiftung Kultur