Vor einer Woche haben wir hier einen Brief vom Wilden Mann aus dem Museum Schnütgen veröffentlicht. Spontan haben sich Kinder zusammengetan, um dem Wilden Mann zu helfen. Auf sehr ungewöhnliche Weise …

Gestern fand in der Aula der Grundschule Mainzerstraße eine erste Probe für ein ganz besonderes Theater statt. Es wird sich mit dem „Wilden Mann“ beschäftigen. Dieses feine kleine Exponat des Museum Schnütgen wird Anfang Juli bei einer großen Kinder-Vernissage im Mittelpunkt stehen. Neben dem Theaterstück sind noch weitere Aktionen geplant.

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Wilder Mann, um 1386/1400, Köln, Museum Schnütgen (Foto: RBA Köln)

Das Wilde und Ungezähmte ist Thema dieser kleinen Holzskulptur vom Ende des 14. Jahrhunderts, die wahrscheinlich einmal an einem Chorgestühl angebracht war. Die Figur des Wilden Mannes ist wohl als Gegenentwurf zur reglementierten Gesellschaft des Mittelalters zu deuten. Es verbindet sich in ihr einerseits die Vorstellung von einer paradiesischen Natur – der Wilde Mann lebt im Wald – und andererseits aber auch die Warnung vor den Gefahren abseits der schützenden Gemeinschaft. In jedem Fall bietet sich hier ein herrliches Experimentierfeld für die Vermittlungsarbeit!

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„Der Wilde Mann“. Proben zum Theaterstück (Foto: Museumsdienst Köln)

Ganz nach dem Motto „Lebe wild und gefährlich“ soll nun gemeinsam mit einer Klasse der Grundschule Mainzer Straße ein Theaterprojekt zum wilden Mann entstehen. Omar El-Saeidi und die Klassenlehrerin Christina Otto haben sich dabei von den beiden Kinderbuchklassikern „Wo die wilden Kerle wohnen“ und „Not Now Bernard“ inspirieren lassen. In beiden Geschichten geht es um Monster und um die Ängste und Sehnsüchte von Kindern. Ähnlich wie beim wilden Mann stehen die Monster für widersprüchliche Gefühle. Allein gelassen werden, sich aus dem schützenden Heim wagen – all das wird mit einem Augenzwinkern in wunderbaren Illustrationen thematisiert. Und die Monster stellen in den Geschichten immer auch ein anderes Ich der kleinen Protagonisten dar.

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„Der Wilde Mann“. Proben zum Theaterstück (Foto: Museumsdienst Köln)

In ersten Übungen wurden gestern vor allem an möglichen Geräuschkulissen für den Auftritt der wilden Kerlen gearbeitet. Schon in der Vorstellungsrunde war es erlaubt, mal so richtig aus sich heraus zu kommen. „Macht eine Bewegung, die man normalerweise nicht machen soll und noch ein Geräusch dazu“, regte Omar El-Saeidi an und es war eine wahre Freude, zu sehen, wie viel Energie dadurch frei gesetzt wurde. Nasebohren, auf den Po hauen oder ein kräftiges „Bähhhh!“ zeigten ein breites wildes Spektrum. Im nächsten Schritt wurde es wieder etwas leiser und es mussten sich kleine Gruppen über das gemeinsame Summen von bekannten Kinderliedern finden. Da kam es darauf an, aufeinander zu hören, sich aufeinander einzustellen. Eine wunderschöne Teambuilding-Idee!

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„Der Wilde Mann“. Utensilien für das Theaterstück (Foto: Museumsdienst Köln)

Mit einem riesigen Fundus an Alltagsgegenständen konnten die Schülerinnen und Schüler dann das Improvisieren von Geräuschen ausprobieren. Gruppenweise führten sie diese vor und die Klassenkameraden hörten mit geschlossenen Augen zu. Anschließend wurden diese Geräusche dem Land zugeordnet, wo die wilden Kerle leben. Da wurde das rostige Tröten einer alten Hupe zum Flügelschlag eines monsterhaften Vogelwesens oder das Rascheln von kleinen Nüdelchen zum Regen im wilden Wald. Das klingt alles schon sehr vielversprechend und wir sind unglaublich gespannt auf das Endergebnis.

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„Der Wilde Mann“. Masken für das Theaterstück (Foto: Museumsdienst Köln)

Ganz toll waren auch die beeindruckenden Masken, die das Stadttheater Bielefeld ausgeliehen hatte. Dort waren sie in einer Opernversion der „Wilden Kerle“ im Einsatz und jetzt inspirieren sie die Kinder und werden sicher noch ihren Platz im Stück finden!

Anke von Heyl

„Schülertrainees“ wird gefördert von der PWC Stiftung Jugend – Bildung – Kultur