Samstags im Museum? Immer wieder diskutieren wir im Museumsdienst Köln die Frage, ob wir am Wochenende Fortbildungen anbieten sollten. Die Termine am Samstag sind unserer Meinung so attraktiv, weil wir über einige Stunden an einem Thema arbeiten und auch mal in die Praxis einsteigen können. Unser heutiger Bericht zeigt, was bei der Fortbildung „Kleider zeigen Gefühl“ im Museum Schnütgen diskutiert wurde und welche interessanten Arbeitsergebnisse entstanden sind.

Das Jahr 2013 steht in unserer Projektarbeit unter dem Motto „Museum textil“. Das Museum Schnütgen hat dazu einen wunderbaren Beitrag in Form der Neubespielung seiner Textilabteilung beigesteuert, die vom 23. Mai 2013 an zu sehen sein wird: Seide statt Sünde!

Im Mittelalter wurde der Vorbereitung auf die Messfeier höchste Aufmerksamkeit gewidmet. Die Ankleidezeremonie des Bischofs spielte dabei eine große Rolle. Durch das Bekleiden mit kirchlichen Gewändern, begleitet von Ankleidegebeten, vollzog der Bischof einen Übergang vom Weltlichen ins Heilige. Schritt für Schritt kann der Besucher in der Ausstellung dem Geistlichen bei der feierlichen Ankleidezeremonie bis zum Kämmen der Haare und der Händewaschung folgen. Kostbare Schätze kirchlicher Textilkunst, darunter seltene Untergewänder aus dem 14. Jahrhundert, werden zusammen mit liturgischen Objekten wie dem berühmten Elfenbeinkamm des Hl. Heribert präsentiert. Die Ausstellung wirft auch die Frage auf, was das Anlegen bestimmter Kleidung in unserem täglichen Leben bedeutet.

Die Teilnehmerinnen der Fortbildung waren begeistert von den Ausführungen der Museumskustodin Saskia Werth, die allen eine wunderbare Einführung in die Welt liturgischer Gewänder gab. Aber schnell entstand die Frage, ob das auch für heutige Schülerinnen und Schüler interessant sein könne und ob die dargebotenen Inhalte über die Köpfe der Jugendlichen hinweggingen. Es geht bei der Thematik um die Fragestellung, wie sich ein Mensch über Kleidung verwandeln kann, und dies ist kein rein äußerliches Phänomen sondern auch ein psychisches.

Transfermöglichkeiten?

Wir überlegten, in welchen Lebensbereichen heutige Schülerinnen und Schüler derartige Erfahrungen machen können und kamen auf Sportbekleidung, die die Trägerinnen und Träger verwandelt, aber vor allem die Metamorphose, die junge Leute durchleben, wenn sie sich für die Disko herrichten. Natürlich ist auch das Vorstellungsgespräch ein Themenbereich, bei dem Kleidung reflektiert eingesetzt werden sollte. Dennoch, einhellig waren wir der Meinung, dass die dargebotenen Museumsinhalte als „schwere Kost“ eingestuft werden und deshalb der methodische Einstieg in die Thematik von entscheidender Bedeutung für das Gelingen des Museumsbesuchs sei.

Auf die Methoden kommt es an

Verschiedene Stoffe wurden angeboten, um mit einer Auswahl eine bestimmte Emotion zum Ausdruck zu bringen. Zum Begriff „Pracht“ waren dann schnell einige weiße Stoffe mit Textur und Spitze aber auch seidige Stoffe in Blau gefunden. Daraus wurde ein Kleid für eine Teilnehmerin  drapiert. Für einen Museumsworkshop mit Schülerinnen und Schülern überlegten wir uns, eine Auswahl an Stoffen und Materialien wie Samt in Dunkelrot oder Blau, goldfarbenen Stoff, Spitze, Jute, Leinen, Leder, etc. in einer Kiste vorzubereiten, die die TeilnehmerInnen mit Hilfe von Adjektiven in Bezug auf deren Eigenschaften und Wirkungen untersuchen sollen, um das Material den Oberbegriffen „Pracht“ und „Elend“ zuzuordnen. Zwei TeilnehmerInnen können dann mit den Stoffen entsprechend eingekleidet werden.

Die praktische Arbeit: „Kleider zeigen Gefühl“

Die Schülerinnen und Schüler sollen zum Abschluss Entwürfe und Kleidung für eine Gefühlsstimmung entwerfen, die dann für kleine Gliederpuppen mit Stoffen, Kordeln, Spitzen, Bändern, etc. umgesetzt werden sollen. Die Arbeitsergebnisse aus unserer Fortbildung zeigen einige Beispiele, wie das Thema bearbeitet werden kann. Die fertigen Entwürfe sollen in der Studiensammlung des Museum Schnütgen ausgestellt werden.

Anregende Adjektive für die Analyse von Kleidung

leicht | dünn | blickdicht | schwer | trist | durchscheinend | kratzig | haarig | fadenscheinig | weich | glatt | ärmlich | fließend | seidig | muffig | sperrig | samtig | edel | abstehend | wächsern | aufdringlich | schmeichelnd | glitschig | kindlich | grell | borstig | weiblich | grob | mollig | männlich | transparent | voluminös | androgyn | warm | süß | schmeichelnd | kalt | hässlich | neutral | kühl | hübsch | vulgär | dicht | verziert | erotisch | locker | unauffällig | streng | zart | prächtig | fade | dekorativ | teuer | anmutig | langweilig | billig | schwerfällig | auffällig |   ledern | dick | glamourös  …

Anke von Heyl

„Kleider zeigen Gefühl“ ist ein Projekt zu unserem Jahresthema „Museum textil“. Die Projekte und Ideen fließen in eine Tagung ein, die wir zusammen mit der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb organisieren: fashion@society.Mode trifft Museum.