Wer schon ganz gespannt auf weitere Neuigkeiten zum Kragenprojekt „Vatermörder & Co.“ gewartet hat, der soll nun die ganze Geschichte erfahren. Erzählt von Monika Einzmann.

„Vatermörder & Co“

Ein Projekt der Auszubildenden des Änderungsschneiderhandwerks am Berufskolleg Humboldtstraße.

Fashion Blog 9
Vatermörder & Co. Der kreative Teil (Foto: Berufskolleg Humboldtstraße, Köln)

Zum Start in das Projekt zu historischen Kragenformen wurden prächtige Bildbände gewälzt, Kostümgeschichtsbüchlein zu Rate gezogen und natürlich das Internet durchforscht. Das Ergebnis waren erklärende Plakate zu verschiedenen Epochen und ersten Ideen und Papiermodelle zu Kragen der „Lieblingsepoche“ vorzuweisen.

Der folgende Projekttag fand schwerpunktmäßig im Wallraf-Richartz-Museum statt, wo die Museumspädagogin Frau von Heyl zunächst einen kurzen Gang durch die Epochen (und Etagen)des Museums bot, um die Eindrücke im direkten Anschluss zu kreativen Experimenten aus Luftpolsterfolie, Tortenspitze und Kabelkanälen zu verarbeiten. Dabei entstanden unter den handwerklich fachkundigen Händen der Auszubildenden erste Schnittvorlagen und bereits professionell anmutende Kragenformen.

Die Ergebnisse des Museumsworkshops sind hier bereits publiziert worden.

Da die anzufertigenden Kragenmodelle aus den Museumsgemälden den Auszubildenden nun deutlich vor Augen standen, konnte im Anschluss an den Workshop das notwendige Material für das Erstellen der historischen Kragenformen beschafft werden. Mit Tüten voll Spitze, weißem Leinen, Samt, Metalleffektstoff, Schleifenbändern… freute man sich auf das Nähen am nächsten Tag.

Der letzte Projekttag war bestimmt von konzentrierter Arbeit an Schnittmustern, an den Nähmaschinen und bei kniffliger Handarbeit. Im Fach Gestaltungstechnik erlernte Grundschnitte mussten abgewandelt werden; Volants und Kreise mussten nach Körpermaßen berechnet werden, wie zuvor im Verfahrenstechnikunterricht gelernt. Und nicht zuletzt musste an mancher Stelle improvisiert werden.

Die Ergebnisse der fast neunstündigen Arbeit konnten sich sehen lassen!

Livius, der zuvor schon nächtelang an einem ganz besonderen Kragen gearbeitet hatte, nutzte diese Stunden zur endgültigen Fertigstellung eines Mühlsteinkragens.

Stolz konnten die historischen Kragen mit den entsprechenden Plakaten am folgenden Samstag zum Infotag des Berufskollegs Humboldtstraße präsentiert werden. Die Auszubildenden, die nicht in den Betrieben und Ateliers sein mussten, zeigten (auch unbequeme Exemplare) am eigenen Leib. Und … Die Auszubildenden müssen sich nun jedoch von den Kragen „ihres Jahrhunderts“ trennen, denn diese wandern ins Museum zu ihren „Vorbildern“, wo sie in Führungen Kindern oder auch Erwachsenen am eigenen Körper erfahrbar machen können, was solch ein Kragen beim Träger bewirkt – Contenance! Weitere Fotos aus dem Projekt finden sich hier auf Flickr.

„Vatermörder & Co.“ ist ein Projekt zu unserem Jahresthema „Museum textil“. Die Projekte und Ideen fließen in eine Tagung ein, die wir zusammen mit der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb organisieren: fashion@society.Mode trifft Museum.

Anke von Heyl