Neues Jahr, neues Thema. Und das beginnt mit einem Fashion Blog der besonderen Art. Nachdem es sich im vergangenen Jahr als eine gute Idee erwiesen hatte, ein übergreifendes Jahresthema für die Museumspädagogik in Köln zu entwickeln, wird in diesem Jahr das Leitmotiv „Museum textil“ die tragende Rolle spielen. Die Projekte und Ideen fließen in eine Tagung ein, die wir zusammen mit der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb organisieren: fashion@society.Mode trifft Museum.

Den Auftakt zu einer hoffentlich langen Reihe an Postings zu Themen  aus dem Textilbereich macht ein Projekt zu einem modischen Detial. Das jedoch eine wahrhaft raumgreifende Wirkung entfalten kann: Es geht um den Kragen. Heute trafen wir uns mit einer Gruppe aus der Abteilung Textiltechnik und Bekleidung des Berufskollegs Humboldtstraße. Und alle hatten eine ziemlich verrückten Kragen um den Hals.

Fashion Blog 1
Vatermörder & Co. Projektidee trifft Museum (Foto: Berufskolleg Humboldtstraße, Köln)

Der Museumsbesuch war ein Teil einer Projektwoche, in der die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit ihrer Lehrerin Frau Einzmann verschiedene Kragenformen entwickeln und umsetzen, und sich dabei mit den historischen Vorbildern auf Kunstwerken des Wallraf-Richartz-Museums auseinandersetzen. Nach einem ausführlichen Rundgang zu einzelnen Beispielen aus verschiedenen Jahrhunderten, näherten wir uns dem „Kragen“ auf unterschiedliche, aber durchaus experimentelle Weise. Zunächst einmal galt es, mit Alltagsmaterialien und einfachen Stoffen, die besondere Haptik einzelner Kragenformen nachzuempfinden. Es ging darum, das „Gefühl“ für die repräsentative Wirkung verschiedener Kragenformen zu bekommen.

Fashion Blog 2
Vatermörder & Co. Projektidee trifft Museum (Foto: Berufskolleg Humboldtstraße, Köln)

Hier wird ein Kragen improvisiert, der darauf hinweisen soll, dass viele Kragenformen im Mittelalter vor allem zu höfischen und ritterlichen Kostümen passten. Die Soldaten auf der Darstellung der Kreuzigung, die ein niederländischer Meister um 1500 malte, zeigen einen durchaus variantenreichen Einsatz von Farben und Formen.

Fashion Blog 3
Vatermörder & Co. Projektidee trifft Museum (Foto: Berufskolleg Humboldtstraße, Köln)

Auch Joos van Cleve bemühte sich in der Tradition niederländischer Tafelmalerei um eine möglichst detailreiche Schilderung zeitgenössischer Kleidung bei seiner Darstellung des Marientodes. Auf welche Weise man damals Volumen in die Kragen brachte, kann man auf dem Bild gut nachvollziehen.

Fashion Blog 4
Vatermörder & Co. Projektidee trifft Museum (Foto: Berufskolleg Humboldtstraße, Köln)

Eine ganz freie Interpretation des berühmten Mühlsteinkragens kam bei dem Porträt von Frau Weerts zum Einsatz, welches Anthonis van Dyck um 1635 malte. Der aus dem steifen spanischen Hofzeremoniell übernommene Kragen verhinderte jegliche spontane Bewegung und wurde proportional zur Bedeutung der Dargestellten immer größer und prächtiger ausgestaltet.

Fashion Blog 5
Vatermörder & Co. Projektidee trifft Museum (Foto: Berufskolleg Humboldtstraße, Köln)

Die Feinheit der Malerei korrespondiert hier mit der Feinheit der verschiedenen Stofflagen, die raffiniert übereinander geschichtet sind. Das 1638 entstandene Porträt zeigt wahrscheinlich eine adlige Äbtissin, die sich der Würde ihres Amtes bewusst ist und von Gerrit van Honthorst hier in einem herrlichen Schwarz-Weiß-Kontrast wiedergegeben wird.

Fashion Blog 6
Vatermörder & Co. Projektidee trifft Museum (Foto: Berufskolleg Humboldtstraße, Köln)

Die in ihrer Zeit äußerst erfolgreiche Porträtmalerin Angelika Kauffmann porträtiert hier den Sohn einer englischen Adelsfamilie. Ob die leicht feminine Note, die auch mit dem Kragen hervorgerufen wird, bewusst eingesetzt wurde, um seine Rolle als „Zweiter“ der Erbfolge zu charakterisieren, mag dahin gestellt sein. Auf jeden Fall wirkt der lockere Strich, mit dem hier die kostbare Spitze wiedergegeben wurde, ganz besonders virtuos.

Fashion Blog 7
Vatermörder & Co. Projektidee trifft Museum (Foto: Berufskolleg Humboldtstraße, Köln)

Da ist er: der berüchtigte Vatermörder. Woher der Name kommt? Ein Übersetzungsfehler machte aus dem französischen Parasite (Mitesser, weil immer so viele Essensreste sich darin sammelten) ein Parricide (jemand, der seine Eltern umbringt) – und schon war dieses sehr passende Wort für einen deutlich unbequemen Kragen gefunden. Hier ist er ein perfektes Accessoire, mit dem die Strenge des Vaters von Künstler Carl Begas in Szene gesetzt wird.

Fashion Blog 8
Vatermörder & Co. Projektidee trifft Museum (Foto: Berufskolleg Humboldtstraße, Köln)

Demgegenüber steht ein weiteres Bild von Carl Begas, auf dem sich der Maler 1813 mit seinem besten Freund Peter Weyer portätiert. Weyer, ein genialer Stadtplaner und engagierter Kunstsammler, wird hier ganz im Sinne des freigeistigen Denkens und Fühlens mit lose umgebundenem Schal wiedergegeben.

Zu guter Letzt noch eine Sprachübung, die wir im Museum dazu entwickelt haben. Viel Vergnügen!

Anke von Heyl