Die Ägypter hatten es herausgefunden, und die Römer nutzten die Technik weiter: Ein dunkles, kräftiges Blau erreicht man in der Glasherstellung durch die Beigabe von Kobalt beim Schmelzprozess. Köln war in der Antike ein Zentrum der Glasherstellung. Es wurden aber nicht nur kostbare Trinkgefäße aus Glas hergestellt, sondern auch kleine Skulpturen und vor allem die Glasstäbe, aus denen dann in unvorstellbar aufwändiger Arbeit Mosaike hergestellt wurden. Im Dionysos-Mosaik gehen die Glasstückchen in die Millionen.

Mosaik
Dionysosmosaik im Römisch-Germanischen Museum, 7 x 10,6 m, ca. 220/230 n. Chr.

Weitere Beispiele sind ein kleiner Jungenkopf aus blauem Glas und das entzückende kleine Schweinchen.

Schweinchen
Salbgefäß in Form eines Schweinchens aus blauem Glas. Fund aus römischen Gräbern in der Luxemburger Straße in Köln, Römisch-Germanisches Museum (Foto: RBA Köln)

Die mittelalterliche Glasmalerei steigert sich zu unglaublicher Pracht, als das Konzept gotischer Architektur die Farb-Raum-Wirkung entdeckt. Besonders die puzzleartige Zusammenstellung durchgefärbter Gläser erzielt eine Wirkung, die damals Vorstellungen des himmlischen Jerusalems entsprachen. Eine Scheibe im Museum Schnütgen zeigt, wie vor leuchtend blauem Hintergrund die biblischen Geschichten erzählt werden.

Steinigung des heiligen Stephanus, Köln, um 1280 (Köln, Museum Schnütgen, M 524.  (Foto: © Rheinisches Bildarchiv Köln, rba_c001462)
Steinigung des heiligen Stephanus, Köln um 1280, Köln, Museum Schnütgen (Foto: RBA Köln)

Von den Kirchenfenstern wieder zurück zu den kostbaren Trinkgefäßen. Auf den Bildern barocker Maler können wir nachvollziehen, wie die Glasbläser-Kunst zur Demonstration von Luxus und Wohlstand herangezogen wurde. Die hohe Kunst der Glasgestaltung ist allerdings vor allem wieder in einer Epoche anzutreffen, die die Handwerkskunst feiert: im Jugendstil. Es gibt wohl kaum einen Künstler, der dabei so oft genannt wird, wie Emile Gallé. Er trat mit neuen Techniken auf den Plan, schmolz Gold mit ein oder zeigte fast malerisch anmutende Naturdarstellungen auf mattem Glasfluss.

Gallé, Emile, Vase mit Akelei und Maeterlinck-Zitat, Ätzdekor & bemalt, Gold & Email & Glas, Nancy, um 1889/1890 (Köln, Museum für Angewandte Kunst Köln, F 1435.  (Foto: © Rheinisches Bildarchiv Köln, Mennicken, Marion, rba_d018803_01)
Emile Gallé: Vase mit Akelei und Maeterlinck-Zitat, Nancy um 1889/1890, Museum für Angewandte Kunst Köln (Foto: RBA Köln)

Unter Sammlern immer begehrter werden dann im 20. Jahrhundert die sogenannten Unikatgläser. Zu diesen zählt auch das fantastische Exemplar von Per Lütken, das die Glassammlung des MAKK bereichert. Fast wie ein überdimensionaler Wassertropfen kommt das Designobjekt daher. Die komplizierte Herstellungstechnik und mehr über den Designer lesen Sie hier.

Lütken, Per / Holmegaards Glasvaerk A/S, blaue Vase, Glas (blau), Dänemark, 1950 (Köln, Museum für Angewandte Kunst Köln, F 900.  (Foto: © Rheinisches Bildarchiv Köln, rba_d000177)
Per Lütken / Holmegaards Glasvaerk A/S: Blaue Vase, Dänemark 1950, Museum für Angewandte Kunst Köln (Foto: RBA Köln)

Anke von Heyl