Heute hatte ich das Gefühl, dass alle Schulen an ihrem Wandertag ins Museum kommen. Allein sechs Klassen tummelten sich um kurz nach 10.00 Uhr im ersten Stock des Museum Ludwig. Eine davon war die Klasse 2 der GGS Refrath, die sich für einen Workshop zum Thema „Blau“ angemeldet hatte. Georg Gartz hat die Klasse schon vor Miró s Bild „Amour“ aus dem Jahr 1926 geführt. Dort sitzen die Schüler jetzt und diskutieren angeregt mit dem Künstler und Museumspädagogen, wie das Bild wohl gemacht wurde. Unglaublich, wie schnell sie auf die ungewöhnliche Technik kommen – Miro hatte die blaue Farbe nämlich auf die rohe Leinwand geschüttet und dann vom Bildträger fließen lassen.

Die versteckten Hinweise auf „Mann“ und „Frau“ – sowie die Spielereien mit den Buchstaben, die mal das Wort „Amour“ und mal den Namen des Künstlers ergeben, erkennen die Pänz natürlich auch nach kurzer Zeit. Ich bin immer wieder begeistert von der Phantasie, die Kinder in dem Alter mühelos an den Start bringen und damit natürlich „Traummalereien“ wie die des katalanischen Surrealisten wunderbar nachempfinden. Und sie verstehen auch sofort, dass für Miró als Verliebter die Welt durch eine blaue Brille gesehen wird.

Gontscharowa, Natalija Ssergejewna, Rusalka (Wassernymphe) / Wassernymphe / Sitzender Akt am Ufer, Öl & Leinwand, 1908 (Köln, Museum Ludwig, ML 01304.  (Foto: © Rheinisches Bildarchiv Köln, rba_c001170)
Natalia Gontscharowa: Rusalka (Wassernymphe), 1908, Köln, Museum Ludwig (RBA Köln; © VG Bild-Kunst, Bonn 2014)

Als Vorbereitung für das spätere Arbeiten in der Werkstatt erzählt Georg Gartz den Kindern Geschichten. Geschichten, in denen das Blau eine besondere Rolle spielt. Der Besuch bei der Nixe „Rusalka“ (mehr über das Bild von Natalia Gontscharowa hier) übernimmt das Liebesthema von Miró. Aber jetzt gewinnt das Blau eine ganz andere Bedeutung, eine ganz andere Färbung. Auf die Frage, warum das so ist, schnellen sofort mehrere Finger in die Höhe und die Kinder zeigen sich begeistert von der grünlich-blauen Wasserfarbe. Nun aber soll es noch tiefer unter das Wasser gehen. Das nächste Bild, welches besprochen werden soll, ist der Höhepunkt der kleinen Reise durch das Blau im Museum. Neugierig folgen die Kinder dem Museumspädagogen, der schon die ganze Zeit einen blauen Beutel mit sich trägt. Ehe er dazu kommt, darauf einzugehen, zeigen die Kinder sich spontan begeistert von den beiden Bildern des Künstlers Yves Klein, die im nächsten Raum hängen. Georg Gartz erklärt, dass der Künstler ein begeisterter Anhänger von Yoga war und gerne meditierte.

Klein, Yves, Monochrome bleu: IKB 73, Pigment & Kunstharz & Nessel : Sperrholz, 1961 (Köln, Museum Ludwig, ML 01071.  (Foto: © Rheinisches Bildarchiv Köln, Irouschek, Sonja, rba_d002502)
Yves Klein: Monochrome bleu: IKB 73 (Einfarbig blau: IKB 73), 1961, Köln, Museum Ludwig Foto: RBA Köln; © VG Bild-Kunst, Bonn 2014)

Sofort setzen sich einige Jungs im angedeuteten Lotussitz vor das Bild und ahmen das „Meditieren“ nach. „Das ist der Himmel“ – „Tief unten im Meer“ – die Kinder tauchen in die Bilder ein – genauso wie es der Künstler auch beabsichtigte. Nun wird der geheimnisvolle blaue Beutel ausgepackt: er enthält eine Unterlage (GANZ WICHTIG) und ein Kästchen mit reinem blauen Pigment. „Das leuchtet aber schön“. Georg Gartz erklärt, dass Yves Klein sich aus Liebe zur Farbe Blau sein Spezialblau hat anmischen lassen, dass noch intensiver leuchtet. Zum Schluß packt er noch einen echten Lapislazuli aus, um die Kostbarkeit der Farbe zu unterstreichen.

Das schönste Blau der Welt
Ein Stückchen Lapislazuli (Foto: Anke von Heyl, Museumsdienst Köln)

 

Auf diese Weise aufgeladen mit Anregungen zur Farbe „Blau“ marschiert die ganze Truppe in die Werkstatt, und die Kinder dürfen ihre eigenen blauen Bilder malen.

Anke von Heyl